"Habt ihr am Dienstag auch den SWR-Beitrag ,Tierisch Teuer - was hinter den hohen Tierarztkosten steckt' gesehen?
Was ich so nicht stehen lassen will:
👉 Heiner Rickers, der Vorsitzende des Agrarausschuss im Landtag von Schleswig-Holstein erweckt (leider) den Eindruck, dass die Sachverständigen bei der Anhörung im SH-Landtag am 9. April 2025 ein eindeutiges Votum für eine schnelle GOT-Anpassung abgegeben hätten. Sorry, Herr Rickers, ich war auch dabei. Nur die Pferdeverbände haben das vehement eingefordert. Tierärzte- und auch die Tierschutzverbände haben sich für eine ergebnisoffene Evaluierung ausgesprochen. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Um Missverständnissen vorzubeugen, HIER das Protokoll zur Anhörung zum Nachlesen.
👉 Kein Zweifel, die Vereinigung Deutscher Tierhalter (VDTH) weiß sich in Szene zu setzen (auch als Ideengeber für SWR-Beitrag?), spielt aber politisch kaum eine Rolle. Bis heute ist die VDTH nicht ins Lobbyregister des Bundestages eingetragen. Gibt es da vielleicht was zu verbergen?
👉 Den am Ende des Beitrags zitierten ,GOT-Standardkommentar', an dem für Juristen kein Weg vorbei führt, gibt es nicht. Es handelt sich vielmehr um das Münchner Anwaltshandbuch Medizinrecht, in dem die GOT kurz angesprochen wird. Aber: Wenn der GOT 2022 die Rechtmäßigkeit abgesprochen wird, weil nicht alle Verbände konsultiert wurden, dann dürfte kaum ein in der jüngeren Vergangenheit beschlossenes Gesetz Bestand haben. Nochmal: Beteiligung hat stattgefunden. Es waren aber (nur) Spitzenverbände (Deutscher Bauerverband, Deutscher Tierschutzbund) dabei, auch die Verbraucherzentralen (vzbv) und die Versicherungswirtschaft (GDV) waren eingeladen, sind aber nicht erschienen.
👉 Dass der SWR-Beitrag die Kritikpunkte an der GOT 2022 aus Tierhalterperspektive beleuchtet, ist völlig in Ordnung. Bei Kommunikation und Transparenz in Richtung Tierhalter gibt es sicherlich auch noch einiges zu verbessern. Nicht in Ordnung ist aber, dass wichtige Argumente der Tierärzteschaft pro GOT/ GOT 2022 gar nicht vorkommen. Das wichtigste: Der Blick ins europäische Ausland macht deutlich, dass die GOT keine Preisschraube, sondern eine PREISBREMSE ist!
👉 Schade auch, dass von meinen 1,5 Stunden (!) Interview am Ende doch nur 1 Minute für die tierärztliche Sichtweise übrig geblieben ist. Es wäre genug Stoff gewesen, um den Beitrag etwas ausbalancierter zu machen. Zum Beispiel meine Antwort auf die letzte Interviewanfrage zur ethischen Verantwortung der Tierärzte: „Es wäre unethisch, wenn wegen schlechter Arbeitsbedingungen" keine bzw. zu wenige Tierärzte/innen in der Fläche zur Verfügung stehen, um kranke Tiere behandeln zu können."


