Die okuläre Setariose stellt in vielen tropischen und subtropischen Regionen Asiens eine wichtige Ursache für Sehverlust beim Pferd dar. Der Fadenwurm Setaria digitata parasitiert normalerweise die Peritonealhöhle von Rindern und Wasserbüffeln. Über Stechmücken werden infektiöse Larven übertragen, die sich bei Fehlwirten wie Pferden jedoch atypisch verhalten und unter anderem das Auge besiedeln können. Gelangt der Parasit in die vordere Augenkammer, verursacht seine Beweglichkeit mechanische Schädigungen des Hornhautendothels und der Uvea, was zu Hornhautödem, Uveitis, sekundärem Glaukom, Netzhautablösung oder sogar Panophthalmitis führen kann. In vielen Endemiegebieten stehen keine spezialisierten ophthalmologischen Einrichtungen zur Verfügung. Die Entfernung intraokularer Würmer erfolgt deshalb häufig unter Feldbedingungen mittels einfacher Hornhautinzisionen oder Aspirationstechniken, die jedoch mit einem erhöhten Risiko für Hyphema, Fibrinbildung, Synechien, Endophthalmitis oder iatrogene Verletzungen intraokularer Strukturen verbunden sind. Ziel der vorliegenden retrospektiven Fallserie war die Beschreibung einer standardisierten, minimalinvasiven Technik zur Entfernung von S. digitata aus der vorderen Augenkammer des Pferdes unter Sedation am stehenden Tier sowie die Bewertung der klinischen Ergebnisse.
Zwölf Pferde verschiedener Rassen wurden zwischen Januar 2021 und März 2026 vorgestellt. Eingeschlossen wurden ausschließlich Tiere mit einem frei beweglichen, weißen, fadenförmigen Wurm in der vorderen Augenkammer. Die Pferde waren zwischen 1,5 und 15 Jahre alt; sechs Tiere waren männlich und sechs weiblich. Vor der Operation erfolgte eine vollständige ophthalmologische Untersuchung einschließlich neuroophthalmologischer Reflexprüfung, Tonometrie mittels Rebound-Tonometer, Spaltlampenuntersuchung, indirekter Ophthalmoskopie und Fluoreszeinfärbung. Die Sedation erfolgte mit Xylazin (1,1 mg/kg i.v.) und Butorphanol (0,1 mg/kg i.v.). Zusätzlich wurden ein Auriculopalpebral- und Supraorbitalblock mit jeweils 2 ml Lidocain 2 % sowie ein retrobulbärer Block mit 10 ml Lidocain 2 % durchgeführt. Nach topischer Anästhesie mit Proparacain wurde der Kopf des Pferdes auf einer stabilen Unterlage gelagert. Die okuläre Oberfläche wurde mit 1:50 verdünnter Povidon-Iod-Lösung gespült.
Anschließend wurde mittels eines 2,8-mm-Keratoms eine uniplanare, etwa 45° schräge Hornhautinzision in der ventrolateralen Kornea, 2–3 mm vom Limbus entfernt, angelegt. Über eine stumpfe 21-G-Kanüle wurden etwa 2 ml dispersives Hydroxypropylmethylcellulose-Gel (HPMC 2 %) in die vordere Augenkammer injiziert. Das Viskoelastikum stabilisierte die Augenkammer, schützte das Hornhautendothel und reduzierte die Beweglichkeit des Parasiten. Durch vorsichtigen Druck auf die periphere Wundlippe wurde ein kontrollierter Austritt des Viskoelastikums erzeugt, wobei der Wurm in der Regel passiv aus der vorderen Augenkammer herausgespült wurde. Falls erforderlich, erfolgte eine erneute HPMC-Injektion. Die Inzision wurde nicht vernäht, sondern heilte selbstabdichtend ab. Postoperativ erhielten die Pferde systemisch Phenylbutazon oder Flunixin-Meglumin sowie Penicillin oder Ceftiofur. Lokal wurden Moxifloxacin-Augentropfen, Prednisolonacetat-Augentropfen und Atropin eingesetzt. Darüber hinaus wurden die Besitzer angewiesen, eine antiparasitäre Behandlung der gesamten Herde durchzuführen und Maßnahmen zur Mückenbekämpfung einzuleiten.
Die chirurgische Entfernung des Parasiten gelang bei 11 von 12 Augen (91,7 %) bereits beim ersten Versuch. In einem Fall mit ausgeprägter Hornhauttrübung, Fibrinbildung und peripheren Synechien konnte der Wurm trotz Sichtbarmachung mittels transilluminierter Untersuchung nicht entfernt werden. Die Dauer von der Inzision bis zur Extraktion betrug im Median lediglich zwei Minuten. Die entnommenen Parasiten wiesen Längen zwischen 21 und 50 mm auf und wurden parasitologisch sämtlich als Setaria digitata identifiziert. Neun der zwölf Augen (75 %) waren innerhalb von sieben Tagen nach dem Eingriff sehfähig oder hatten ihr Sehvermögen vollständig wiedererlangt. Sechs dieser Augen waren bereits präoperativ visuell, während drei Augen aufgrund eines ausgeprägten Hornhautödems zunächst keinen positiven Drohreflex zeigten, aber nach Rückbildung des Ödems wieder sehfähig wurden. Drei Augen blieben dauerhaft blind. Ursache hierfür waren bereits zum Zeitpunkt der Vorstellung bestehende irreversible Veränderungen wie Endstadium-Glaukom, schwere Panuveitis oder eine vermutete Netzhautablösung.
Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der chirurgischen Intervention und dem funktionellen Ergebnis. Acht von neun Pferden, die innerhalb eines Monats nach Auftreten der klinischen Symptome operiert wurden, behielten ihr Sehvermögen. Dagegen waren alle dauerhaft blinden Augen erst nach längerer Krankheitsdauer von ein bis drei Monaten vorgestellt worden und wiesen bereits schwere intraokulare Folgeschäden auf. Dies unterstreicht die Bedeutung einer möglichst frühen Entfernung des Parasiten. Postoperative Komplikationen waren selten. Bei einem Pferd trat nach vorzeitigem Absetzen der lokalen Kortikosteroidtherapie ein ausgeprägtes peripheres Hornhautödem auf, das sich nach Wiederaufnahme der Behandlung vollständig zurückbildete. In einem weiteren Fall wurde kein Viskoelastikum verwendet, da der Wurm unmittelbar nach Eröffnung der vorderen Augenkammer austrat. Dieses Auge entwickelte postoperativ eine deutliche Fibrinbildung in der Augenkammer, die unter medikamentöser Therapie innerhalb weniger Tage zurückging. In den übrigen zehn Augen wurde keine relevante Fibrinreaktion beobachtet. Hinweise auf Wundleckagen, Epiphora oder Blepharospasmus wurden nicht festgestellt, was auf eine rasche Selbstabdichtung der Hornhautinzision schließen ließ.
Die Autoren diskutieren mehrere Vorteile der verwendeten Technik. Die schräge Keratominzision erzeugt einen ventilartigen Wundverschluss, der durch den physiologischen Augeninnendruck zusätzlich stabilisiert wird. Das HPMC unterstützt nicht nur die Stabilität der vorderen Augenkammer und den Schutz des Endothels, sondern reduziert möglicherweise auch die postoperative Fibrinbildung durch Verminderung entzündlicher Reaktionen und Verhinderung einer postoperativen Hypotonie. Gleichzeitig erleichtert das Viskoelastikum die schonende Extrusion des Parasiten und minimiert den Kontakt des Wurmes mit empfindlichen intraokularen Strukturen. Die Autoren weisen darauf hin, dass der Goldstandard für intraokulare Eingriffe grundsätzlich die Allgemeinanästhesie mit kontrollierten Operationsbedingungen und Corneanaht sein sollte. Die vorgestellte Methode stellt keinen Ersatz für chirurgische Standardverfahren dar, sondern bietet eine praktikable Alternative für Regionen mit eingeschränkten Ressourcen. Zudem erfordert die Durchführung fortgeschrittene ophthalmologische Mikrochirurgiekenntnisse und sollte ausschließlich von entsprechend geschulten Tierärzten vorgenommen werden.
Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die viskoelastisch unterstützte Entfernung von Setaria digitata über eine kleine selbstabdichtende Keratominzision unter Sedation am stehenden Pferd eine schnelle, minimalinvasive und unter Feldbedingungen gut durchführbare Methode darstellt. Die Erfolgsrate war hoch, postoperative Komplikationen traten selten auf, und insbesondere bei frühzeitiger Intervention konnten gute funktionelle Ergebnisse erzielt werden. Die standardisierte Technik könnte daher eine wertvolle Option für die Behandlung der okulären Setariose in Regionen mit begrenztem Zugang zu spezialisierten chirurgischen Einrichtungen darstellen.
