Durch hochgradiges Asthma (SEA) wird die Belastungstoleranz der betroffenen Pferde eingeschränkt. Die in diesen Fällen eingesetzten Medikamente sind zwar sehr effektiv im Hinblick auf die Verbesserung der Atemwegsobstruktion, aber in ihrer Wirksamkeit nur kurzfristig. Außerdem bestehen Nebenwirkungen. Bei Menschen mit Asthma verbessert Bewegung die Lungenfunktion und die Lebensqualität, obwohl sich bei bis zu 90 % der Menschen mit Asthma nach einer Belastung eine akute Bronchokonstriktion entwickelt. Physiologisch führt körperliche Aktivität jedoch zu einer Bronchodilatation. Es wurde zuvor beschrieben, dass bei Pferden mit hochgradigem Asthma, wenn sie bis zur Erschöpfung auf einem Laufband trainiert wurden, eine Bronchodilatation festzustellen war. Das Ziel der vorliegenden Studie war die Beurteilung des Einflusses einer einmaligen Bewegung an der Longe auf die Atemwegsobstruktion bei Pferden mit hochgradigem Asthma.
Der Versuch erfolgte bei acht Pferden, bei welchen hochgradiges Asthma (SEA) zuvor über die Auslösung einer Atemwegsobstruktion und bronchialer Entzündung bei Exposition gegenüber Heu bestätigt worden war. In einem Vorversuch wurde die Lungenfunktion bei Pferden mit SEA im Asthmaschub vor und 15 Minuten nach einer 25-minütigen Bewegung erfasst. Zusätzlich wurde Salbutamol 15 Minuten nach der Bewegung verabreicht und die Lungenfunktion 5 Minuten nach dieser Verabreichung bestimmt, um eine Restobstruktion zu erfassen. Die erhobenen bzw. berechneten Lungenparameter waren pleuraler Druck – stellvertretend für Atemarbeit –, Lungenelastance und Lungenwiderstand.
Da dieser Versuch eine klinisch relevante Bronchodilatation ergab, sollten diese Ergebnisse in einem randomisierten, kontrollierten Cross-over-Versuch bestätigt werden. Auch die Pferde der Hauptstudie waren aufgrund der Fütterung mit Heu in klinischer Exazerbation. Die Tiere wurden in randomisierter Reihenfolge einmal gezielt bewegt und einmal 25 Minuten auf einem Paddock frei laufen gelassen, getrennt durch eine einwöchige Wash-out-Phase. Die von den Pferden geforderte Bewegung umfasste 5 Minuten Schritt, 7,5 Minuten Trab in eine Richtung, daraufhin 2 Minuten Schritt, wiederum 7,5 Minuten Trab in die andere Richtung, gefolgt von 3 Minuten Schritt. Wie schon im Vorversuch erfolgte die Lungenfunktionsmessung vor und 15 Minuten nach der Bewegung bzw. dem Auslauf auf dem Paddock. Direkt nach letzterer Messung erfolgte beim Paddockauslauf die Inhalation von Salbutamol, und eine erneute Lungenfunktionsprüfung erfolgte 5 Minuten später, diese zweite auch bei der Bewegungsgruppe.
In dem Vorversuch tolerierten die Pferde die Bewegung gut. Die Herzfrequenz bzw. Atemfrequenz stieg durch die Belastung von 36 auf 62 bzw. von 18 auf 32 pro Minute. Fünfzehn Minuten nach der Bewegung lagen die Werte bei 42 bzw. 20 pro Minute. Durch die 25-minütige Bewegung sanken der pleurale Druck, der Lungenwiderstand und die Lungenelastance signifikant, und bei 4/8 Tieren normalisierte sich die Lungenfunktion nach der Bewegung. Durch die Inhalation von Salbutamol wurde eine weitere signifikante Verbesserung des pleuralen Drucks und des Lungenwiderstands erzielt, nicht aber der Lungenelastance.
Im Hauptversuch tolerierten die Pferde die Bewegung ebenfalls gut, auch wenn drei der acht Pferde husteten. Die Atem- und Herzfrequenz sanken innerhalb von 15 Minuten von 32 auf 22 bzw. von 62 auf 46 pro Minute. Auch bei diesen Pferden sanken der pleurale Druck, der Lungenwiderstand und die Lungenelastance nach der Bewegung signifikant. Durch den Auslauf auf dem Paddock veränderten sich diese Parameter nicht. Durch die Inhalation von Salbutamol nach dem Auslauf wurden die erhobenen Lungenparameter signifikant verbessert. Diese Verbesserung war vergleichbar mit der durch die Bewegung erzielten. Diese Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass durch die leichte Bewegung eine Bronchodilatation vergleichbar mit der durch die Inhalation von β2-Agonisten erzielt werden kann.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Bewegung mit geringer Intensität bei Pferden mit hochgradigem Asthma in klinischer Exazerbation gut toleriert wurde und eine klinisch relevante Bronchodilatation bewirkte: Sowohl der Lungenwiderstand als auch die Lungenelastance konnten um annähernd 50 % reduziert werden. Die induzierte Bronchodilatation war mit der nach einer Salbutamolinhalation vergleichbar. Da es sich in dieser Studie ausschließlich um Longenarbeit handelte, bleibt fraglich, ob sich diese positiven Effekte auch auf die Arbeit unter dem Reiter übertragen lassen, weil Gewicht von Reiter und Sattel sowie der angezogene Sattelgurt zusätzliche Einflussfaktoren auf die Atmung darstellen.
