Die endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege in Ruhe gehört zu den festen Bestandteilen der Ankaufsuntersuchung von Rennpferden und dient der Beurteilung der Kehlkopffunktion, insbesondere im Hinblick auf die rezidivierende Larynxneuropathie. Bei dieser fortschreitenden Erkrankung kommt es zum Funktionsverlust der Abduktionsmuskulatur des linken Aryknorpels, wodurch sich die durchströmte Querschnittsfläche der Atemwege verringert und die Belastbarkeit sinkt. Da junge, schwer handhabbare Pferde während dieser Untersuchung ein erhebliches Verletzungsrisiko für das beteiligte Personal darstellen, kann eine medikamentöse Ruhigstellung sinnvoll sein. Allerdings ist denkbar, dass Sedativa die Bewegung der Aryknorpel verändern und so zu einer fehlerhaften Einschätzung führen. Die vorliegende Arbeit prüfte erstmals, wie sich intravenös verabreichtes Romifidin auf die endoskopische Bewertung der Kehlkopffunktion und auf die Querschnittsfläche der Rima glottidis auswirkt.
Untersucht wurden zehn gesunde Pferde der École Nationale Vétérinaire de Lyon, neun Stuten und ein Wallach im Alter von sechs bis vierzehn Jahren. Jedes Tier durchlief in einem verblindeten Crossover-Design dreimal nacheinander eine endoskopische Kehlkopfuntersuchung und fungierte dabei jeweils als eigene Vergleichsbasis. Die erste Untersuchung erfolgte ohne Sedierung, die zweite nach Gabe von 0,04 mg/kg Romifidin und die dritte nach einer weiteren gleich hohen Dosis, sodass insgesamt 0,08 mg/kg verabreicht wurden. Sämtliche Aufnahmen wurden videodokumentiert, randomisiert und anschließend von drei verblindeten Fachtierärzten anhand der Havemeyer-Skala bewertet. Die Querschnittsfläche der Rima glottidis wurde aus Standbildern während der maximalen Abduktion mithilfe einer Bildverarbeitungssoftware ermittelt und normalisiert.
Die Sedierung beeinflusste den vergebenen Funktionsgrad nicht in nennenswertem Umfang. Kein Pferd erreichte den niedrigsten oder höchsten Sedierungswert; nach der ersten Dosis zeigten sechs Tiere eine geringgradige und vier eine mittelgradige Sedierung. Die normalisierte Querschnittsfläche nahm mit steigendem Sedierungsniveau kontinuierlich ab, wobei sich zwischen unsediertem Zustand und erster Dosis kein bedeutsamer Unterschied ergab. Erst nach der Gesamtdosis fiel der Wert klar niedriger aus als im unsedierten Zustand und blieb auch gegenüber der einfachen Dosis niedriger. Das Verhältnis der linken zur rechten Hälfte der Rima glottidis blieb über alle drei Gruppen hinweg vergleichbar.
Bei der subjektiven Beurteilung lag die Übereinstimmung innerhalb eines Beobachters sowie zwischen den Beobachtern überwiegend im geringgradigen bis mittelgradigen Bereich. Die siebenstufige Havemeyer-Skala lieferte dabei konsistentere Werte als die dichotome Einteilung in normale und abnorme Funktion. Die Verteilung normaler und abnormer Grade blieb unabhängig von der Dosis weitgehend stabil. Bei neun der zehn Pferde war die Querschnittsfläche nach der Gesamtdosis kleiner als im unsedierten Zustand; eine begleitende Verschlechterung des Funktionsgrades fiel je nach Beobachter unterschiedlich aus. Ein statistisch belastbarer Zusammenhang zwischen der Querschnittsfläche und dem vergebenen Funktionsgrad ließ sich jedoch für keinen der Beobachter nachweisen.
Die Ergebnisse bestätigen die Annahme, dass Romifidin den Funktionsgrad des Kehlkopfes nicht verschlechtert. Eine Erklärung könnte darin liegen, dass die Sedierung beide Aryknorpel in ähnlichem Maße betrifft, sodass die Symmetrie der Bewegung erhalten bleibt, obwohl sich die Querschnittsfläche verkleinert. Die Querschnittsfläche stammt aus einem Standbild, der subjektive Grad hingegen aus einer bewegten Aufnahme; Letzterer beurteilt zusätzlich, ob die Abduktion gehalten wird – dies erklärt den fehlenden Zusammenhang plausibel. Als Einschränkung gilt die geringe Tierzahl, die die statistische Aussagekraft begrenzt, ebenso wie der Umstand, dass gut gewöhnte Pferde, aber keine schwer beherrschbaren Jungtiere herangezogen wurden, und dass unerfahrene Studierende die Endoskopie durchführten. Insgesamt zeigt die Arbeit, dass eine intravenöse Gabe von 0,04 mg/kg Romifidin weder den Funktionsgrad noch die Querschnittsfläche bedeutsam verändert und zugleich bei allen Pferden zumindest eine geringgradige Sedierung bewirkt. Damit lässt sich die endoskopische Beurteilung der Kehlkopffunktion sicherer und einfacher gestalten, ohne dass mit einer verfälschten Einschätzung zu rechnen ist.
