Das Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) fasst alle erosiven und ulzerativen Erkrankungen des Magens zusammen und wird anhand der anatomischen Lokalisation in die equine squamöse Magenerkrankung (ESGD) und die equine glanduläre Magenerkrankung (EGGD) unterteilt. Beide Formen können gleichzeitig auftreten, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich Prävalenz, Epidemiologie, Pathogenese und Therapie und gelten daher als zwei eigenständige Krankheitsentitäten. Die Diagnose erfolgt gastroskopisch. Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung (IBD) ist eine immunvermittelte chronische intestinale Erkrankung beim Pferd, die durch Gewichtsverlust, verringerte Leistungsfähigkeit sowie rezidivierende geringgradige Kolikanzeichen gekennzeichnet sein kann. Die Diagnose einer IBD stützt sich auf Anamnese und klinische Symptome sowie auf den Nachweis einer Dünndarmwandverdickung mittels rektaler Palpation oder Sonographie, auf die histologische Untersuchung von Biopsieproben des duodenalen Gewebes und auf Hinweise auf eine Malabsorption, beispielsweise mittels eines oralen Glukoseabsorptionstests.
Die orale Gabe von Omeprazol über 3–4 Wochen wird üblicherweise bei ESGD empfohlen. Erfolgt die Verabreichung vor der Fütterung und dem Training, verbessert dies die orale Bioverfügbarkeit, sodass niedrigere Dosierungen wirksam sein können. Es existiert eine Formulierung zur intramuskulären Verabreichung (ERIO) mit langfristiger Wirkstofffreisetzung. Aufgrund der länger anhaltenden und stabileren Suppression der Magensäuresekretion wird ERIO insbesondere bei Pferden eingesetzt, die auf eine orale Therapie unzureichend angesprochen haben. Allerdings existieren unterschiedliche Formulierungen, und die Studienergebnisse variieren in Abhängigkeit vom jeweiligen Produkt. Die Wirksamkeit bei Pferden mit einem Therapieversagen nach oraler Verabreichung von Omeprazol ist bislang nicht ausreichend bekannt. Bei der EGGD wird häufig eine Kombination aus oralem Omeprazol und Sucralfat über 4–8 Wochen empfohlen.
Die Ziele der vorliegenden Studie waren zum einen, die drei Therapieprotokolle – orales Omeprazol (OROM), orales Omeprazol in Kombination mit Sucralfat (OROMSUC) und ERIO – hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei ESGD und EGGD zu vergleichen, und zum anderen, den Einfluss einer begleitenden IBD auf das Therapieansprechen zu erfassen. Grundlage waren Patientenakten und gastroskopische Aufnahmen von Pferden, bei denen zwischen 2017 und 2022 an der Universität Utrecht EGUS diagnostiziert worden war. Eingeschlossen wurden nur Fälle mit vollständiger Dokumentation, einer Gastroskopie vor Therapiebeginn, einer Behandlungsdauer von mindestens 21 Tagen sowie einer Kontrollgastroskopie vor Abschluss der Behandlung.
Die Beurteilung der Bilder erfolgte anhand des 5-stufigen EGUC-Scores (0–4) durch einen geblindeten Untersucher. Entsprechend den Behandlungsprotokollen wurden die Pferde in Gruppen eingeteilt: OROM – 4 mg/kg Omeprazol oral einmal täglich oder ein abgestuftes Schema mit zunächst 4 mg/kg über 14 Tage, gefolgt von 2 mg/kg über weitere 14 Tage, jeweils oral einmal täglich; OROMSUC – Omeprazol wie bei OROM und zusätzlich Sucralfat in einer Dosierung von 12 mg/kg zweimal täglich. ERIO wurde bei Therapieversagen der oralen Medikation viermal im wöchentlichen Abstand verwendet, und zwar 20 mL einer Formulierung mit 100 mg Omeprazol/mL. In die Auswertung flossen Daten zum Jahr der Behandlung, zum Alter, zum Geschlecht, zur Ausprägung der Magenläsionen vor und nach der Therapie, zum Behandlungsprotokoll und zum Vorliegen einer IBD ein. Die Diagnose einer IBD stützte sich auf histopathologische Veränderungen in duodenalen Gewebeproben in Kombination mit einer entsprechenden klinischen Symptomatik einschließlich einer Malabsorption sowie einer bei einer rektalen Untersuchung oder einem abdominalen Ultraschall erhobenen Dünndarmwandverdickung. Ebenfalls in die Auswertung aufgenommen wurde eine etwaige Therapie mit Glukokortikoiden (Prednisolon 1 mg/kg oral oder 0,8 mg/kg Dexamethason i.m. einmal täglich über mindestens 3 Wochen).
Insgesamt wurden 146 Behandlungsverläufe von 133 Pferden ausgewertet. Davon entfielen 59 auf die Behandlung mit OROM, 68 auf OROMSUC und 19 auf ERIO. Das abgestufte Dosierungsschema der oralen Omeprazolgabe kam beim überwiegenden Teil der Fälle zur Anwendung. Bei 14 Pferden wurde ausschließlich EGGD und bei 16 ausschließlich ESGD diagnostiziert. Bei den verbleibenden Tieren lagen Veränderungen entsprechend beider Erkrankungen vor. Von den untersuchten Pferden hatten 81 keine IBD, 19 eine behandelte und 45 eine unbehandelte IBD. Die durchschnittliche Therapiedauer lag bei 29 Tagen. Der Anteil der Warmblüter war in der Studienpopulation mit 73 % höher als in der allgemeinen Patientenpopulation der Klinik mit 50,1 %.
Unter allen drei Therapieformen verbesserten sich die ESGD-Scores signifikant. In den anschließenden paarweisen Vergleichen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Therapien. Bei EGGD führte OROM zu keiner signifikanten Verbesserung, während unter OROMSUC und ERIO eine signifikante Verbesserung festgestellt wurde. Bei 50 % der Pferde in der OROM-Gruppe verschlechterte sich der EGGD-Score im Behandlungsverlauf. Bemerkenswert war zudem, dass bei einem Großteil dieser Pferde die EGGD-Läsionen erst während der Behandlung neu auftraten: In der OROM-Gruppe hatten 18 von 23 Pferden mit gestiegenem EGGD-Score zu Studienbeginn noch keine EGGD-Läsionen gezeigt. Sowohl beim direkten Vergleich zwischen OROM und OROMSUC als auch zwischen OROM und ERIO zeigte sich ein signifikanter Unterschied zugunsten der Kombinationstherapie beziehungsweise der ERIO-Behandlung. Die Abnahme des EGGD-Scores war unter OROMSUC und ERIO signifikant stärker als unter der alleinigen oralen Omeprazolgabe. Zwischen OROMSUC und ERIO bestand kein signifikanter Unterschied.
In der OROM-Gruppe wiesen 63 % der Pferde mit ESGD eine vollständige Heilung auf, in der OROMSUC-Gruppe waren es 61 % und in der ERIO-Gruppe waren es 81 %. Von den Pferden mit EGGD zeigten nach alleiniger oraler Omeprazolgabe 17 % keine Läsionen mehr, nach der Kombination aus Omeprazol und Sucralfat 16 % und nach ERIO 44 %. Eine Verbesserung ohne vollständige Heilung wurde bei 15 %, 51 % beziehungsweise 6,3 % der Pferde festgestellt. Nebenwirkungen wurden bei der oralen Medikamentenverabreichung nicht beobachtet. Nach der intramuskulären Injektion der Langzeitformulierung wurde bei einem Pferd eine lokale Reaktion an der Injektionsstelle festgestellt; bei einem anderen Tier traten Schwellungen der Hintergliedmaßen auf. Im Vergleich zu zuvor veröffentlichten Ergebnissen war die Wirksamkeit von ERIO niedriger. Die zuvor veröffentlichten Heilungsraten lagen zwischen 97 und 100 % bei ESGD und zwischen 75 und 80 % bei EGGD.
Es konnte ein signifikanter Einfluss einer bestehenden, unbehandelten IBD auf den Therapieerfolg von EGGD und ESGD festgestellt werden. Dieser war bei Pferden mit EGGD deutlicher ausgeprägt, insofern als Pferde mit unbehandelter IBD im Vergleich zu Pferden ohne IBD eine 3,4-fach geringere Wahrscheinlichkeit für eine Verbesserung des EGGD-Scores zeigten; ein ähnlicher, wenn auch schwächerer Effekt zeigte sich bei ESGD. Als mögliche Erklärung diskutieren die Autoren, dass ein Teil der EGGD-Fälle eher eine Ausdehnung einer begleitenden IBD als eine eigenständige, isolierte Gastritis darstellen könnte; in solchen Fällen wäre eine alleinige säuresupprimierende beziehungsweise mukosaprotektive Therapie möglicherweise nicht ausreichend, und eine zusätzliche antiinflammatorische Behandlung, beispielsweise mit Kortikosteroiden, könnte erforderlich sein.
Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass eine alleinige orale Omeprazolgabe bei EGGD nicht empfohlen werden kann und die Therapie in Kombination mit Sucralfat erfolgen sollte. Zudem sollte bei unzureichendem Ansprechen auf die Standardtherapie stets eine begleitende IBD als möglicher Einflussfaktor in Betracht gezogen werden. Bei den hier berücksichtigten Fällen, in denen ERIO ausschließlich nach erfolgloser oraler Vorbehandlung eingesetzt wurde, fiel dessen Wirksamkeit niedriger aus als in zuvor veröffentlichten Studienergebnissen.
