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  • Autoren: Sanchez-Arjona R, Lopez Cruz C, Hague B A, Jayawickrama J, Kamm J L (2025)
  • Journal: Veterinary Surgery
  • Zusammenfassung: pp

Die distalen oder kleinen Tarsalgelenke, also die Artt. intertarsales distales et tarsometatarsea, unterliegen insbesondere bei Dressur-, Sprung- und Westernpferden besonderen Kompressions- und Rotationsbelastungen. Eine Arthrose der distalen Tarsalgelenke kann initial beispielsweise im Springsport zu Verweigerung am Sprung, im Westernsport zur Beeinträchtigung im schnellen Spin oder beim Sliding Stop führen, im Weiteren dann auch zu Lahmheiten. Konservative Maßnahmen wie Einschränkungen der Trainingsintensität, die Gabe von systemischen oder intraartikulär verabreichten Kortikosteroiden, können nach wiederholter Anwendung an Effektivität verlieren und zu chirurgischen Maßnahmen Anlass geben. Angestrebtes Behandlungsziel ist eine Ankylosierung durch Gelenksbohrungen, durch Laserdestruktion des Gelenkknorpels oder mit Hilfe von Implantaten. Der intraartikuläre Einsatz eines Lasers soll das Absterben des Gelenkknorpels fördern und mit einer Kontraktion der Kollagenfasern in der Gelenkkapsel sowie mit einer Inaktivierung sensibler Nervenfasern einhergehen. In der vorliegenden retrospektiven klinischen Studie wurden die Ergebnisse einer Ankylosierung mittels Dioden-Laser zwischen vier Behandlungsgruppen mit modifizierten Behandlungsbedingungen verglichen.

Die Studienpopulation umfasste Pferde, die in einem Zeitraum von 10 Jahren einem ankylotischen Lasereingriff an den distalen Tarsalgelenken unterzogen worden waren, die vorab mindestens mittelgradig lahm waren und bei denen konservative Maßnahmen nicht mehr wirksam waren. Nach einer Prämedikation mit Gentamicin und Phenylbutazon erfolgte der Eingriff unter Vollnarkose mit Xylazin, Ketamin, Midazolam und Isofluran in Rückenlage. Es ergaben sich vier Behandlungsgruppen. In Gruppe L erfolgte eine intraartikuläre Behandlung mit einem 980 nm Diodenlaser. In Gruppe L+B ergänzte man die Laserbehandlung um das Anlegen periartikulärer Bohrkanäle. In Gruppe L+F kombinierte man die Laserbehandlung mit einer Fenestration des Os tarsi centrale. In Gruppe Z waren alle Pferde, die zweimal operiert wurden.

Für den Lasereingriff wurden drei 18 g Injektionsnadeln senkrecht zur Haut, im Abstand von 1 cm und 0,3 – 1,5 cm tief von dorsomedial in das distale Intertarsalgelenk eingestochen, über eine der Nadeln 3 – 5 ml physiologische Kochsalzlösung intraartikulär verabreicht und eine vierte Nadel von plantarolateral in das Tarsometatarsalgelenk eingebracht. Über die Nadeln wurde nacheinander eine 600 µm Laserfaser intraartikulär eingeführt und der Laser mit einer Leistung von 15-17 Watt aktiviert, bis jeweils pro Nadel eine Gesamtenergie von 400 Joule verabreicht wurde (1W=1J/sec). Sofern der Gelenkspalt aufgrund periartikulärer Knochenzubildungen mit den Injektionsnadeln nicht erreichbar war, wurden Bohrkanäle angelegt (Gruppe L+B), um dies zu ermöglichen und eine Laserbehandlung wie in Gruppe L durchführen zu können.

In Gruppe L+F erfolgte die Laserbehandlung in Kombination mit einer Fenestrationsbohrung, und zwar dann, wenn im MRT knöcherne Ödeme der kleinen Tarsalknochen erkennbar oder röntgenologisch aufgrund einer lytischen Verbreiterung der Gelenkspalten zu vermuten waren. Der Bohrkanal für die Fenestrierung verlief von proximomedial nach proximolateral durch das proximale Röhrbein, das Tarsometatarsalgelenk, das Os tarsale III und das distale Intertarsalgelenk bis in das Os tarsi centrale hinein. Die Operationswunden wurden bis zur Entfernung des Hautnahtmaterials unter Verband gehalten. Daten zum postoperativen Verlauf wurden von den Besitzern über einen Nachbeobachtungszeitraum von mindestens 24 Monaten telefonisch eingeholt.

Von insgesamt 98 Pferden, die aufgrund einer Arthrose der kleinen Tarsalgelenke behandelt wurden, konnten zwei Drittel (n = 64) bis zu 8 Jahre nach dem Eingriff nachverfolgt werden. Der mediane Nachbeobachtungszeitraum erstreckte sich über 5 Jahre. Das mediane Alter der Pferde zum Zeitpunkt des operativen Eingriffs lag bei 9 Jahren. Bei der Rassezugehörigkeit handelte es sich vorwiegend um Quarter Horses oder Paints. Bei 75 % aller Pferde waren beide Hintergliedmaßen betroffen. Etwa die Hälfte aller Pferde (48 %) war Behandlungsgruppe L zugeordnet, die übrigen verteilten sich auf Gruppe L+F (25 %), Gruppe L+B (16 %) und Gruppe Z (11 %). Nach Angaben der Besitzer verbesserte sich die Lahmheit in 83 % aller Fälle (53/64), und zwar bei 2 Dritteln dieser Fälle innerhalb eines Jahres. Das frühere Leistungsniveau konnte in 64 % aller Fälle (39/61) erreicht werden. Dabei gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den vier Behandlungsgruppen. Von den 7 Pferden, die einem zweiten operativen Eingriff unterzogen wurden, stammten 6 aus Behandlungsgruppe L und ein Pferd aus Behandlungsgruppe L+B. Das männliche Geschlecht wirkte sich in 33/47 Fällen (70 %) positiv auf das Behandlungsergebnis aus. Bei den Stuten erreichten lediglich 6/17 (35 %) wieder ihr früheres Leistungsniveau.

Eine Ankylosierung der kleinen Tarsalgelenke mittels Dioden-Laser wird durch diese Studie prognostisch günstig belegt. Sollte ein Zweiteingriff erforderlich werden, erscheint dieser ebenso lohnenswert. Der Vorteil des männlichen Geschlechts könnte darauf zurückzuführen sein, dass etwaige Nachbehandlungen bei Stuten zugunsten eines Zuchteinsatzes eher abgebrochen werden. Ergebnisse zwischen den Behandlungsgruppen verzerren sich dadurch, dass Kombinationseingriffe aus Laserbehandlung und Bohrung eher in fortgeschrittenen Fällen angewendet wurden. Die Laserbehandlung allein adressiert keine mit einem intraossären Druckanstieg verbundenen knöchernen Ödeme. Deshalb erscheint eine erweiterte diagnostische Bildgebung mittels MRT oder Dual-Energy CT sinnvoll für die Auswahl der Behandlungsmodalität. Vorteile der Laserbehandlung ohne Bohrungsmaßnahmen sind gemäß früheren Studien in einer um ein halbes Jahr schnelleren Rekonvaleszenz zu sehen. Diese Beobachtung deutete sich in der vorliegenden Studie mit einer dünneren Datenlage über die zeitnahe postoperative Phase zumindest an. Dennoch favorisieren die Autoren nunmehr die Kombination der Laserbehandlung mit einer Fenestrationsbohrung, um die Notwendigkeit von Zweiteingriffen zu minimieren. Zahlreiche Limitationen begleiten diese Studie. Dazu gehören fehlende Informationen über den präoperativen Lahmheitsgrad, über die Ergebnisse diagnostischer Anästhesien und fehlende MRT-Befunde in zahlreichen Fällen.