Die Identifikation der Ursache für eine sekundäre Tenosynovitis der Fesselbeugesehnenscheide kann eine Herausforderung darstellen. Üblicherweise werden die Ultraschalluntersuchung und die Kontrastradiographie als bildgebende Verfahren der ersten Wahl eingesetzt. Beide Verfahren weisen jedoch gewisse Einschränkungen auf. Besonders die Ultraschalldiagnostik ist stark untersucherabhängig: In einer früheren Untersuchung wurden nur 49 % der tenoskopisch bestätigten Sehnenläsionen zuvor sonographisch erkannt. In Bezug auf Läsionen der tiefen Beugesehne (TBS) lagen bei der statischen Sonographie die Sensitivitäten höher als bei der Diagnose von Läsionen der Manica flexoria (MF). Neuere dynamische und am unbelasteten Bein durchgeführte Ultraschalltechniken verbesserten die Erkennung von MF-Rissen. Die Kontrastradiographie zeigt für Läsionen der MF höhere Sensitivitäten als für Läsionen der TBS.
Kann mittels Kontrastradiographie und Sonographie keine eindeutige Diagnose gestellt werden, ist die Tenoskopie das Standardverfahren in der Diagnostik. Hierbei ist ein weiterer Vorteil, dass Läsionen sofort debridiert werden können. Eine weitere Möglichkeit bietet die Computertomographie, bei der ein in einen Synovialraum eingebrachtes Kontrastmittel die Weichteilstrukturen besser darstellt. In dieser Studie sollte die diagnostische Leistungsfähigkeit einer CT-Tenographie (CTT) mit einem Multidetektor-CT am sedierten, stehenden Pferd für intrathekale Weichteilläsionen sowie für eine Desmitis des palmaren beziehungsweise plantaren Ringbandes (PAL) oder eine Konstriktion der Sehnenscheide beurteilt werden. Als Referenz dienten die Befunde der chirurgischen Tenoskopie.
In die retrospektive Untersuchung wurden klinische Fälle aus dem Zeitraum von März 2021 bis Juli 2024 aufgenommen. Die Voraussetzung war zunächst, dass die Lahmheit auf die Fesselbeugesehnenscheide lokalisiert werden konnte. Hierfür war eine positive Anästhesie der Sehnenscheide erforderlich, in einigen Fällen erfolgte zusätzlich zeitlich versetzt eine tiefe 4-Punkt-Anästhesie. Außerdem mussten die konventionelle Ultraschalluntersuchung (statisch und dynamisch) und/oder die Kontrastradiographie uneindeutige Ergebnisse geliefert haben. Schließlich mussten sowohl eine CTT als auch eine chirurgische Tenoskopie durchgeführt worden sein. Pferde, bei denen eine eindeutige Diagnose sonographisch und/oder mittels Kontrastradiographie gestellt werden konnte, wurden aus der Studie ausgeschlossen.
Für die Kontrastradiographie wurden 13 ml Mepivacain mit 7 ml jodhaltigem Kontrastmittel in den distalen Recessus der Fesselbeugesehnenscheide injiziert. Anschließend wurden die Pferde geführt, um das Kontrastmittel innerhalb der Sehnenscheide zu verteilen. Danach wurde eine lateromediale Röntgenaufnahme der Zehe angefertigt. Die CTT wurde mit einem Großbohrungs-Multidetektor-CT mit 160 Schichten und verschieblicher Gantry durchgeführt. Die Pferde wurden mit Detomidin und Morphin sediert. Für die Untersuchung der Vordergliedmaße wurden die Pferde in einem Winkel von etwa 30–45° zur Plattform positioniert und die zu untersuchende Gliedmaße gestreckt auf dem Untersuchungstisch gelagert. Bei der Hintergliedmaße standen die Pferde etwa im 90°-Winkel zur Plattform; die Gliedmaße wurde gebeugt auf dem Tisch positioniert. Die Schichtdicke betrug 0,5 mm. Für die CTT wurden 10–15 ml eines jodhaltigen Kontrastmittels mit Mepivacain im Verhältnis 1:3 verdünnt. Auch hier wurden die Pferde im Anschluss an die Injektion zunächst geführt. Alle Pferde wurden anschließend unter Allgemeinanästhesie tenoskopiert. Die betroffene Struktur und die mediale beziehungsweise laterale Lokalisation wurden dokumentiert.
Insgesamt erfüllten 24 Pferde unterschiedlicher Rassen und verschiedener Altersgruppen die Einschlusskriterien der Untersuchung. Das mediane Alter betroffener Pferde lag bei 12,5 Jahren (Spannbreite 6–20 Jahre). Alle 24 Pferde wurden sonographisch untersucht; bei 18 Pferden wurde zusätzlich eine Kontrastradiographie durchgeführt. Nur sechs Pferde erhielten außerdem einen nativen CT-Scan vor der Kontrastmittelgabe. Vier dieser Pferde hatten MF-Läsionen. Im nativen CT wurden davon lediglich zwei erkannt, während nach Kontrastmittelgabe alle vier Läsionen identifiziert wurden. Die beiden übrigen Pferde hatten TBS-Läsionen, die sowohl im nativen als auch im kontrastverstärkten CT anhand von Veränderungen der Sehnengröße, -form und -begrenzung erkannt wurden. Die MF-Läsionen zeigten unterschiedliche Kombinationen aus freiliegenden oder aufgefaserten Ansatzstellen an der oberflächlichen Beugesehne (OBS), zurückgezogenen MF-Anteilen, Kontrastmittelansammlungen innerhalb der MF, einem vergrößerten Abstand zwischen OBS und TBS und einer Verlagerung der OBS gegenüber der TBS.
Für die Erkennung intrathekaler Sehnenläsionen erreichte die CTT eine Sensitivität von 93 % und eine Spezifität von 93 %. Die anatomische Lokalisation der Läsionen – 17 lateral und zehn medial gelegene Läsionen – wurde bei allen Pferden korrekt bestimmt. Bei der OBS wurden fünf der sieben tenoskopisch nachgewiesenen Läsionen erkannt. Die Sensitivität betrug 71 %, die Spezifität 94 %. Es trat ein falsch-positiver CTT-Befund auf. Bei der TBS wurden alle zwölf tenoskopisch festgestellten Läsionen in der CTT erkannt. Die Sensitivität betrug damit 100 %, die Spezifität 83 %. Es wurden zwei falsch-positive Befunde registriert. Von zehn Läsionen der MF wurden neun erkannt. Daraus ergaben sich eine Sensitivität von 90 % und eine Spezifität von 93 %. Es lag ein falsch-positiver Befund vor. Eine Desmitis beziehungsweise eine Konstriktion der Sehnenscheide durch das PAL wurde mittels CTT bei 14 von 22 tenoskopisch bestätigten Fällen erkannt. Die Sensitivität betrug 64 %, die Spezifität 100 % (bei nur zwei Pferden ohne PAL-Veränderung).
Kombinationen mehrerer Läsionen kamen häufig vor. Bei fünf Pferden bestanden gleichzeitig MF- und OBS-Läsionen. Drei Pferde hatten TBS-Läsionen zusammen mit Teilrissen der MF. Bei einem Pferd waren OBS, TBS und MF gleichzeitig betroffen, bei einem weiteren bestanden gleichzeitig OBS- und TBS-Läsionen. Bei 22 der 24 Pferde wurde tenoskopisch ein verdicktes und eingeengtes PAL festgestellt. Die CTT bei den untersuchten Pferden hatte eine hohe Sensitivität und Spezifität für intrathekale Läsionen der TBS und MF, während die Sensitivität für OBS-Läsionen und PAL-Veränderungen geringer war. Im Vergleich zu publizierten Daten zur Kontrastradiographie war die CTT insbesondere bei Läsionen der TBS überlegen und bei Läsionen der MF vergleichbar. Zu berücksichtigen ist, dass es sich gezielt um diagnostisch schwierige Fälle handelte, bei denen die vorausgegangene Standardbildgebung keine eindeutige Diagnose ergeben hatte.
Einschränkungen der Untersuchung sind das retrospektive Design und die Fallauswahl als Convenience-Stichprobe von 24 Pferden ohne Fallzahlberechnung, wodurch ein Selektionsbias möglich ist. Zusätzlich sind die am stehenden Pferd vorhandenen Bewegungsartefakte sowie die Untersuchung an der entlastet gelagerten Gliedmaße als weitere Einschränkungen zu nennen.
Die CTT kann als weiterführendes diagnostisches bildgebendes Verfahren für Fälle, in denen Ultraschall und Kontrastradiographie keine definitive Diagnose ermöglichen, eingesetzt werden. Die präoperative Lokalisation der Läsion kann die Planung eines gezielten chirurgischen Eingriffs sowie die prognostische Beratung unterstützen.
