Eine angemessene Pferdehaltung umfasst regelmäßige zahnmedizinische Behandlungen, die sowohl prophylaktischen als auch therapeutischen Zwecken dienen. Diese Eingriffe können jedoch mit bakteriell bedingten Komplikationen wie Gingivitis, Parodontitis oder einer sekundären Bakteriämie sowie weiteren extraoralen Erkrankungen verbunden sein. Eine prä- und postoperative Antisepsis der Maulhöhle stellt daher einen wesentlichen Bestandteil zur Verringerung solcher Komplikationen dar. Vor dem Hintergrund der zunehmenden antimikrobiellen Resistenzentwicklung und der begrenzten Verfügbarkeit neuer Antibiotika gewinnt ein zurückhaltender und gezielter Einsatz antimikrobieller Substanzen zunehmend an Bedeutung. In der Zahnmedizin werden hierfür routinemäßig Mundspüllösungen mit 0,12–0,2 % Chlorhexidin eingesetzt, da sie die Anzahl oraler Mikroorganismen wirksam reduzieren und dadurch den prophylaktischen Einsatz von Antibiotika verringern können. Als mögliche Alternative rücken ozonisierte Lösungen aufgrund ihrer antimikrobiellen und antifungalen Eigenschaften zunehmend in den Fokus. Ziel der vorliegenden Studie war es, die bakterizide Wirkung einer 0,12%igen Chlorhexidinlösung mit einer ozonisierten Lösung in einer Konzentration von 100 µg/ml zur Antisepsis der Maulhöhle beim Pferd zu vergleichen. Dabei wurde die Hypothese geprüft, dass die ozonisierte Lösung hinsichtlich ihrer bakteriziden Wirkung mit Chlorhexidin vergleichbar oder diesem sogar überlegen ist.
Die Studie wurde auf dem Gestüt „Haras da Mata JW" in Patos de Minas, Brasilien, durchgeführt. Die Studienpopulation umfasste 50 adulte Quarter Horses im Alter von durchschnittlich 8,5 Jahren, darunter 28 männliche und 22 weibliche Tiere. Keines der Tiere hatte innerhalb der vorangegangenen acht Wochen eine antimikrobielle oder zahnmedizinische Behandlung erhalten. Vor der Probenentnahme wurde die Maulhöhle aller Pferde mit sterilem Wasser gespült, um Futterreste und Verunreinigungen zu entfernen. Anschließend wurden mittels steriler Stuart-Abstrichtupfer Proben aus den Gingivalsulci der mandibulären Prämolaren sowie von der linken Wangenschleimhaut entnommen. Nach der initialen Probengewinnung wurden die Tiere randomisiert in zwei Gruppen mit jeweils 25 Pferden eingeteilt. In der Chlorhexidingruppe erfolgte eine Spülung der Maulhöhle mit einer 0,12%igen Chlorhexidinlösung, während die Ozon-Gruppe eine Spülung mit einer frisch hergestellten ozonisierten Lösung in einer Konzentration von 100 µg/ml erhielt. Fünf Minuten nach der jeweiligen Spülung wurden erneut Proben an denselben Entnahmestellen gewonnen. Zur Vermeidung einer Kreuzkontamination wurden für steriles Wasser, Chlorhexidin und die ozonisierte Lösung jeweils separate Mundspülspritzen verwendet und diese zwischen den einzelnen Tieren desinfiziert. Die mikrobiologische Untersuchung umfasste die Anzucht der Proben auf Blutagar und MacConkey-Agar; die Identifizierung der Bakterien erfolgte mittels Gramfärbung sowie weiterer biochemischer Differenzierungstests. Zusätzlich erfolgte nach serieller Verdünnung der Proben die Bestimmung der koloniebildenden Einheiten (KBE), wobei für die quantitative Auswertung ausschließlich Agarplatten mit 30 × 10² bis 300 × 10² Kolonien berücksichtigt wurden.
Bei der mikrobiologischen Untersuchung der Maulhöhle wurden sowohl grampositive als auch gramnegative Bakterien sowie Hefen nachgewiesen. Zu den isolierten grampositiven Keimen gehörten koagulasenegative Staphylococcus-Arten und Streptococcus spp., während unter den gramnegativen Bakterien Klebsiella spp., Escherichia coli und Pseudomonas spp. identifiziert wurden. Zusätzlich wurde das Wachstum von Hefezellen festgestellt. Die Verteilung der einzelnen Mikroorganismen war unterschiedlich, wobei Escherichia coli, Klebsiella spp., koagulasenegative Staphylococcus-Arten und Hefen am häufigsten nachgewiesen wurden. Nach der Spülung der Maulhöhle mit einer 0,12%igen Chlorhexidinlösung zeigte sich eine signifikante Verringerung der Anzahl der Tiere, bei denen koloniebildende Einheiten (KBE) der nachgewiesenen Mikroorganismen isoliert werden konnten. Nach Anwendung der ozonisierten Lösung konnte hingegen keine signifikante Veränderung festgestellt werden. Im direkten Vergleich führte Chlorhexidin zu einer signifikant stärkeren Reduktion der Anzahl positiver bakteriologischer Nachweise als die ozonisierte Lösung. Auch die Gesamtzahl der koloniebildenden Einheiten nahm nach der Chlorhexidinbehandlung signifikant ab und reduzierte sich auf etwa die Hälfte der initialen Keimzahl von mehr als 300 × 10² KBE. In der mit der ozonisierten Lösung behandelten Gruppe blieb die Anzahl nicht auswertbarer Platten mit mehr als 300 × 10² KBE vor und nach der Behandlung unverändert. Insgesamt zeigte die 0,12%ige Chlorhexidinlösung eine signifikant höhere Wirksamkeit bei der Reduktion der bakteriellen Keimzahl als die untersuchte ozonisierte Lösung.
In der vorliegenden Studie erwies sich eine 0,12%ige Chlorhexidinlösung der ozonisierten Lösung (100 µg/ml) hinsichtlich der Reduktion der bakteriellen Keimbelastung der Maulhöhle des Pferdes deutlich überlegen. Die ursprüngliche Hypothese einer vergleichbaren oder höheren bakteriziden Wirkung der ozonisierten Lösung konnte somit nicht bestätigt werden. Chlorhexidin reduzierte sowohl die Gesamtkeimzahl als auch die Häufigkeit des Nachweises wichtiger oraler Mikroorganismen signifikant und bestätigte damit seine Eignung als Standardantiseptikum für prophylaktische und postoperative Spülungen im Rahmen zahnmedizinischer Eingriffe beim Pferd. Ozonisierte Lösungen zeigten unter den gewählten Versuchsbedingungen keine ausreichende antimikrobielle Wirksamkeit, könnten jedoch aufgrund experimenteller Vorarbeiten zukünftig als ergänzende Maßnahme in Kombination mit etablierten Antiseptika untersucht werden.
