Die Osteochondrosis dissecans (OCD) ist eine entwicklungsbedingte orthopädische Erkrankung. Infolge einer mangelhaften enchondralen Ossifikation im Gelenkknorpel-Epiphysen-Komplex kommt es zu einer osteochondralen Nekrose. Darauf folgt die Abtrennung eines osteochondralen Fragments vom Knochen. Beim Pferd tritt OCD unter anderem im Tibiotarsal-, Metakarpophalangeal- bzw. Metatarsophalangeal- sowie im Femoropatellargelenk auf. Femoropatellare OCD-Läsionen können mittels Röntgen und Ultraschall erkannt werden. Die Arthroskopie dient der Beurteilung der Gelenkflächen und der Diagnosesicherung. Die Behandlung femoropatellarer OCD-Läsionen besteht im Wesentlichen aus der arthroskopischen Entfernung osteochondraler Fragmente sowie dem Débridement.
Ziel dieser retrospektiven Studie war es, die postoperative Rennleistung von Trabrennpferden nach arthroskopischer Entfernung femoropatellarer OCD-Läsionen zu untersuchen. Dabei sollte insbesondere geprüft werden, ob Läsionsgröße, bilaterale Befunde oder OCD-Läsionen in weiteren Gelenken mit einer schlechteren Rennleistung verbunden sind. Ausgewertet wurden die Krankenakten von 45 Trabrennpferden, die zwischen Januar 2014 und Januar 2022 an der University of Illinois aufgrund einer unilateralen oder bilateralen femoropatellaren OCD arthroskopisch behandelt worden waren. Das mediane Alter betrug 1,68 Jahre. Keines der Pferde war vor der Operation bereits Rennen gelaufen. Unter den Patienten waren 17 Stuten, 17 Wallache und 11 Hengste. Bei 32 Pferden lag eine unilaterale und bei 13 eine bilaterale OCD vor. Bei 19 Pferden bestanden zusätzlich OCD-Läsionen in weiteren Gelenken. Keines der Pferde war vorberichtlich lahm.
Die Läsionsgröße wurde röntgenologisch nach der Länge des subchondralen Knochendefekts bestimmt und je nach Länge in Grad 1 bis 3 eingeteilt (Grad 1: < 2 cm, Grad 2: ≥ 2 cm bis < 4 cm, Grad 3: ≥ 4 cm; Einteilung nach Foland et al.). Die mediane Läsionslänge betrug 2,4 cm. Es lagen 13 Grad-1-, 30 Grad-2- und zwei Grad-3-Läsionen vor. Aufgrund der geringen Zahl an Grad-3-Läsionen wurde für die statistische Auswertung eine modifizierte Einteilung verwendet, bei der Grad 2 alle Läsionen ≥ 2 cm umfasste; die beiden Grad-3-Läsionen wurden somit der Grad-2-Gruppe zugeordnet. Bei bilateral betroffenen Pferden wurde die größere Läsion ausgewertet. Für die Beurteilung der Rennleistung wurden Gangart, schnellste aufgezeichnete Zeit sowie Starts, Siege und Einnahmen im Alter von 2 und 3 Jahren ausgewertet. Als Kontrollgruppe dienten 196 väterliche Geschwister der Patienten ohne OCD.
Für 33 der 45 operierten Pferde lagen Renninformationen vor. Zwölf Pferde waren nach der Operation nie in Rennen gestartet. 77 % der Pferde mit Grad-1- und 72 % der Pferde mit Grad-2-Läsionen starteten nach der Operation bei Rennen. Im Hinblick auf Starts, Siege, Einnahmen und die schnellste Zeit bestanden zwischen den Läsionsgraden keine signifikanten Unterschiede. Lediglich im Alter von 3 Jahren war eine größere durchschnittliche Läsionsgröße mit weniger Starts verbunden. Bilateral betroffene Pferde hatten im Alter von 3 Jahren mehr Starts als unilateral betroffene, jedoch weniger Siege und geringere Einnahmen. Pferde mit OCD-Läsionen in weiteren Gelenken hatten weniger Starts im Alter von 3 Jahren als Pferde mit ausschließlich femoropatellaren Läsionen. Siege und Einnahmen waren davon nicht signifikant betroffen. Im Vergleich mit den nicht betroffenen väterlichen Geschwistern war das Vorliegen einer femoropatellaren OCD mit weniger Starts im Alter von 3 Jahren und einer langsameren Qualifikationszeit verbunden. Hinsichtlich der Rennsiege und Einnahmen bestand jedoch auch kein signifikanter Unterschied.
Die Ergebnisse zeigen, dass femoropatellare OCD-Läsionen, die bei Trabrennpferden im medianen Alter von 1,68 Jahren und vor Beginn des intensiven Renntrainings arthroskopisch entfernt wurden, nur einen begrenzten Einfluss auf die postoperative Rennleistung hatten. Die Rennleistung im Alter von 2 Jahren unterschied sich nicht signifikant zwischen betroffenen und nicht betroffenen Pferden. Im Alter von 3 Jahren zeigten betroffene Pferde weniger Starts und langsamere Qualifikationszeiten als nicht betroffene Geschwister. Bei Siegen und Einnahmen bestand jedoch kein signifikanter Unterschied. Innerhalb der betroffenen Pferde war die Läsionsgröße lediglich mit der Zahl der Starts im Alter von 3 Jahren assoziiert. Somit konnte auch bei größeren Läsionen ein gutes Ergebnis erzielt werden. Die Autoren bewerten die Arthroskopie, bei Durchführung vor Beginn des intensiven Trainings, als wirksame Behandlung femoropatellarer OCD-Läsionen bei Trabrennpferden. Die Limitationen der Studie waren die geringe Anzahl der betroffenen Pferde, wovon nur zwei Pferde Läsionen Grad 3 aufwiesen. Deshalb ist die Aussagekraft der Studie, insbesondere für hochgradige Läsionen, begrenzt. Es wurde weiterhin keine konservativ behandelte Vergleichsgruppe untersucht und nur Leistungsparameter bis zum Ende der Rennsaison im Alter von 3 Jahren erfasst. Ein Einfluss der OCD auf die langfristige Dauer der Rennkarriere kann daher nicht beurteilt werden. Bei Trabrennpferden führte eine femoropatellare OCD nach arthroskopischer Entfernung zu einer nur minimalen Beeinträchtigung der postoperativen Rennleistung.
