Die Leptospirose zählt zu den weltweit verbreiteten Zoonosen und wird durch Spirochäten der Gattung Leptospira ausgelöst. Beim Pferd kann eine Infektion vier klinische Verlaufsformen nach sich ziehen, von denen die reproduktive Variante lange Zeit weniger Beachtung fand als die hepatorenale oder okuläre Ausprägung. Als eigenständiges Krankheitsbild gilt mittlerweile die equine genitale Leptospirose, die aus einer langfristigen, oft unbemerkten Ansiedlung von Leptospiren im Geschlechtstrakt hervorgeht und sich klinisch in Form von Subfertilität äußert. Die vorgestellte Untersuchung sollte beurteilen, ob sich bei Stuten mit mangelhafter Reproduktionsleistung eine genitale Besiedlung nachweisen lässt und welche Erreger daran beteiligt sind.
Einbezogen wurden 41 nicht tragende Stuten der Rasse Mangalarga Marchador im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren aus zwei Beständen im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Bei diesen Stuten war anamnestisch bekannt, dass die Fertilität eingeschränkt war. Die Tiere standen extensiv auf Tifton-Weiden und waren mit Frischsperma künstlich besamt worden; in beiden Beständen waren Nagetiere, Hunde sowie Hengste präsent. Nach transrektaler Palpation und Ultraschalluntersuchung entnahm man jeder Stute Blut, eine Endometriumprobe, Uterusschleim sowie Harn. Die Gewebeproben gewann man unter Sedierung mit Detomidin mit einer Yeoman-Zange aus dem Corpus uteri. Serologisch erfolgte die Auswertung über den Mikroagglutinationstest, wobei Titer ab 200 als positiv galten. Molekularbiologisch kam eine konventionelle PCR auf das lipL32-Gen zum Einsatz; positive Proben wurden anschließend einer verschachtelten PCR auf das secY-Gen mit nachfolgender Sequenzierung unterzogen.
Im Mikroagglutinationstest reagierten 17 der 41 Stuten (41,5 %). Am häufigsten trat die Serogruppe Australis auf, die bei 13 reaktiven Tieren erfasst wurde. Über die lipL32-PCR fielen 25 Stuten (61,0 %) in mindestens einer Probe positiv aus – vier davon ausschließlich im Harn –, während 21 (84,0 %) wenigstens eine positive Genitalprobe aufwiesen. Innerhalb dieser genital infizierten Gruppe waren 13 Stuten ausschließlich im Gebärmuttergewebe, drei nur im Uterusschleim und fünf in beiden Probenarten positiv. Die Übereinstimmung zwischen Mikroagglutinationstest und PCR blieb gering (κ = –0,09) und lag damit im Bereich des Zufalls. Bei 36,6 % der Stuten ergab sich ein positives PCR-Ergebnis bei gleichzeitig negativem serologischem Befund; umgekehrt zeigten 19,5 % ein gegenläufiges Muster. Aus dem Endometriumgewebe ließen sich sechs Sequenzen gewinnen, die zu mindestens 99 % mit Leptospira interrogans des Serovars Bratislava aus der Serogruppe Australis übereinstimmten.
Die Befunde belegen, dass bei Stuten mit eingeschränkter Fertilität häufig genitale Leptospiren vorliegen, und zwar ohne okuläre, pulmonale oder hepatorenale Begleitsymptomatik. Der Mikroagglutinationstest erwies sich als ungeeignet, um einzelne betroffene Tiere zu erkennen, da die wirtsadaptierten Serovare beim chronischen Verlauf meist keine erhöhten Antikörperspiegel hervorrufen; auf Bestandsebene ließ sich die zirkulierende Serogruppe jedoch zuverlässig bestimmen. Die aussagekräftigste Probe war die Endometriumprobe, da sich die Erreger bevorzugt im Uterus ansiedeln. Die routinemäßig in der Zuchthygiene angewandte Uterusbiopsie eignet sich somit, obwohl invasiver, auch für die Leptospirendiagnostik. Andere Verfahren bleiben begrenzt: Die Anzüchtung ist langwierig und Forschungslaboren vorbehalten; kommerzielle ELISA-Tests sind kaum verfügbar und erfassen lediglich Antikörper. Bemerkenswert war die erfolgreiche Sequenzierung, die das Serovar Bratislava als maßgeblichen Erreger der equinen genitalen Leptospirose bestätigt und auf dessen besondere Anpassung an das Pferd hindeutet. Eine zoonotische Übertragung dieser Stämme wurde bislang nicht beschrieben, sollte aber mit Blick auf den beruflichen Umgang weiter beobachtet werden. Das Gesamtbild – Subfertilität ohne akute Krankheitszeichen, niedrige Serumtiter und ein deutliches Überwiegen positiver Genitalproben gegenüber dem Harn – spricht für das Vorliegen einer equinen genitalen Leptospirose bei den hier untersuchten Stuten. Als wahrscheinlichste Verursacher gelten Stämme des Serovars Bratislava aus der Serogruppe Australis.
