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  • Autoren: Gillen A, Hassel D, Gonzalez S W, Savage V, Mudge M, Wood A, Barnes H, Bauck A, Freeman D, Dembek K, Gonzalez L M, Archer D C (2026)
  • Journal: Equine Veterinary Journal
  • Zusammenfassung: in

Obstruktionen durch strangulierende Lipome (SLO) sind die häufigste Dünndarmerkrankung beim Pferd, die eine chirurgische Intervention erforderlich macht. Es ist bekannt, dass SLO häufiger bei älteren Pferden und häufiger bei Wallachen auftritt. Übergewicht sowie endokrinologische Erkrankungen wie EMS und PPID, die mit Übergewicht, Insulin-Dysregulation oder höherem Alter verbunden sind, wurden bereits mit SLO in Verbindung gebracht, jedoch fehlen bislang eindeutige Belege möglicher Zusammenhänge. Ziel dieser Studie war es, Risikofaktoren für die Entstehung von Lipomen und durch Lipome verursachte Obstruktionen bei Pferden zu identifizieren, die aufgrund akuter Koliksymptome einer Laparotomie unterzogen wurden oder, wenn eine Operation von den Tierbesitzern abgelehnt wurde, einer pathologischen Untersuchung unterzogen wurden. Es wurde angenommen, dass höheres Alter, männliches Geschlecht, höhere Übergewicht-Scores sowie EMS und PPID das Risiko für die Entstehung von Lipomen und SLO erhöhen würden.

In die Studie wurden Pferde aus insgesamt acht Pferdekliniken (vier in den USA, vier in Großbritannien) eingeschlossen, die aufgrund akuter Koliksymptome einer Laparotomie oder aufgrund fehlender OP-Einwilligung einer postmortalen Untersuchung unterzogen wurden. Die Pferde wurden entsprechend der Diagnose in eine SLO-Gruppe und eine Kontrollgruppe mit anderen Kolikursachen eingeteilt. Das erste Ziel der Untersuchung war es, Risikofaktoren für Pferde zu identifizieren, bei denen eine SLO diagnostiziert wurde. Das zweite Ziel war die Identifikation von Risikofaktoren für die Entstehung abdominaler Lipome. Alter, Rasse, Geschlecht, Größe und Gewicht der Pferde wurden erfasst. Es wurde ein modifizierter EQUIFAT-Score genutzt, bei dem mesenteriales Fett im Bereich des Jejunums, Fett im Bereich des Omentums, retroperitoneales Fett im Bereich der Laparotomiewunde und der Cresty-Neck-Score einbezogen wurden. Darüber hinaus wurden auch der Body Condition Score (BCS) sowie das subkutane Fett im Bereich der Laparotomiewunde beurteilt. Bestätigte Diagnosen sowie der Verdacht auf EMS oder PPID wurden erfasst. Weitere Marker möglicher endokrinologischer Erkrankungen wie der supraorbitale Fettpolster-Score, Hufring-Divergenz-Score und Hufring-Wachstums-Score wurden ebenfalls gemessen.

Das Vorhandensein sowie die Anzahl von Lipomen im Mesenterium von Dünn- und Dickdarm wurden erfasst. Zusätzlich wurde notiert, ob die Lipome strangulierend, gestielt oder nicht gestielt waren. Für den ersten Teil der Studie konnten 108 Fälle von SLO und 284 Kontrollpferde rekrutiert werden. Das durchschnittliche Alter der SLO-Patienten lag bei 18,5 Jahren, das durchschnittliche Alter der Kontrollpferde bei 11,8 Jahren. Die SLO-Gruppe wies damit ein signifikant höheres Alter auf als die Kontrollgruppe. Mit 74 männlichen und 27 weiblichen Tieren in der SLO-Gruppe waren männliche Pferde signifikant häufiger betroffen als weibliche, wobei explizit Wallache häufiger betroffen waren als Hengste oder Stuten. Cobs, Welsh Section D, Quarter und Paint Horses sowie Araber erkrankten ebenfalls signifikant häufiger an SLO. Ein BCS von > 3 korrelierte mit dem Auftreten von SLO ebenso wie ein erhöhter Cresty-Neck-, supraorbitaler Fettpolster- oder modifizierter EQUIFAT-Score. Pferde mit diagnostiziertem oder vermutetem EMS oder PPID waren häufiger von SLO betroffen.

Für den zweiten Teil der Studie wurden 190 Pferde mit Lipomen (105 mit SLO, 85 nicht symptomatische) und 195 Kontrollpferde ohne sichtbare abdominale Lipome erfasst. Bei 87,6 % der SLO-Patienten lagen gestielte Lipome vor, dagegen hatten nur 44,2 % der Pferde mit asymptomatischen Lipomen mindestens ein gestieltes Lipom. Am häufigsten waren Lipome im Mesenterium des Dünndarms lokalisiert. Pferde mit gestielten Lipomen waren im Durchschnitt 17,9 Jahre alt, Pferde mit nicht gestielten Lipomen 11,2 Jahre. Auch für das Vorliegen von Lipomen zeigte sich eine positive Korrelation zu höherem Alter. Beim Geschlecht zeigte sich kein signifikanter Unterschied. Erhöhter BCS sowie erhöhte Scores für Cresty Neck, mesenteriales und omentales Fett sowie supraorbitale Fettpolster waren ebenso mit einem verstärkten Auftreten von Lipomen assoziiert wie eine erhöhte retroperitoneale Fettdicke und erhöhte Werte im kombinierten Hufring-Score. Pferde mit EMS- oder PPID-Diagnose bzw. -Verdacht hatten mit höherer Wahrscheinlichkeit Lipome.

Diese Studie untersuchte erstmals Übergewicht und endokrinologische Erkrankungen als mögliche Risikofaktoren für die Entstehung von Lipomen und SLO. Höheres Alter und männliches Geschlecht konnten als Risikofaktoren bestätigt werden. Mit höherem Alter stieg auch in dieser Untersuchung die Inzidenz von Lipomen und SLO. Das jüngste von SLO betroffene Pferd in dieser Studie war 10 Jahre alt und das jüngste Pferd, bei dem abdominale Lipome gefunden werden konnten, war 4 Jahre alt. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Ausbildung von Lipomen zwar bereits relativ früh im Leben beginnt, jedoch mehrere Jahre vergehen, bis sie eine ausreichende Größe erreichen und einen Stiel ausbilden, was das Auftreten von SLO begünstigt. Männliche Pferde hatten ein etwa doppelt so hohes Risiko für SLO im Vergleich zu weiblichen Tieren. Dabei zeigte die statistische Auswertung ein erhöhtes Risiko für kastrierte Tiere, was einen möglichen Zusammenhang zur Kastration aufzeigt. Gründe dafür sind bislang unklar; hormonelle Veränderungen könnten jedoch eine Rolle spielen. Bei Hunden ist bekannt, dass die Inzidenz subkutaner Lipome bei kastrierten Tieren, unabhängig vom Geschlecht, erhöht ist.

Klinische Hinweise auf EMS oder eine bestätigte Diagnose waren mit der Entstehung von Lipomen und SLO assoziiert. Zusammen mit den Ergebnissen einer älteren Studie, in der Pferde mit einer Insulin-Dysregulation bei der postmortalen Untersuchung vermehrt mesenteriale Lipome aufwiesen, deutet dies darauf hin, dass die Prävention von EMS sowie Gewichtsreduktion und gegebenenfalls Medikation prädisponierter oder erkrankter Pferde das Risiko für die Entstehung von Lipomen und in der Folge SLO senken kann. Es zeigte sich auch, dass Rassen mit Prädisposition für EMS oder Übergewicht wie beispielsweise Ponys oder Cob-Rassen ein erhöhtes Risiko für Lipome und SLO aufweisen. Auch höhere Scores für Übergewicht waren in dieser Studie mit einem erhöhten Risiko assoziiert. PPID zeigte nur in der univariablen Analyse eine Assoziation zu SLO, während es in der multivariablen Analyse herausfiel. Weitere Untersuchungen sollten angestrebt werden, um mögliche Zusammenhänge zu klären.

Zusammenfassend konnte in dieser Untersuchung gezeigt werden, dass die Entstehung von Lipomen mit Alter, Übergewicht und Markern endokrinologischer Erkrankungen assoziiert ist. Männliche Pferde und Pferde mit EMS weisen darüber hinaus ein erhöhtes Risiko für SLO auf. Diese Risikofaktoren sollten bei der Evaluation von Kolik-Patienten bedacht werden, um SLO-Fälle möglichst früh zu erkennen. Strategien zur Gewichtsreduktion und Therapie von EMS könnten das Risiko für Lipome und SLO senken. Da Lipome bereits bei jungen Pferden gefunden wurden, sollte mit diesen Maßnahmen bereits früh begonnen werden.