Die Antigen-induzierte Entzündung der Atemwege durch Schimmelsporen und Staub der Umgebung ist verantwortlich für equines Asthma. Diese Erkrankung ist nicht septisch, inflammatorisch, obstruktiv und betrifft die unteren Atemwege. Die ausgeprägte periphere Atemwegsobstruktion beruht zum einen auf der Bronchokonstriktion und zum anderen auf dem Umbau der Atemwege. Im Gegensatz zum hochgradigen equinen Asthma (SEA) besteht bei gering- bis mittelgradigem Asthma die Möglichkeit einer Regeneration durch medikamentöse Therapie und Managementmaßnahmen der Umgebung. Die medikamentöse Therapie bei equinem Asthma umfasst zum einen die Gabe von Bronchodilatatoren und zum anderen von Kortikosteroiden. Aufgrund der geringer ausgeprägten Nebenwirkungen bei Inhalation von Kortikosteroiden ist diese einer langfristigen systemischen Therapie vorzuziehen. Die alleinige Vernebelung von Dexamethason-Natriumphosphat (DSP) erzielte allerdings in Studien keine Verbesserung der Lungenfunktion, aber eine adrenokortikale Suppression. Bei Pferden in einem akuten Asthmaschub kann die Verteilung der Medikamente über Inhalation zum einen aufgrund der Bronchokonstriktion, zum anderen aufgrund einer erhöhten Mukusakkumulation verringert sein. Es besteht des Weiteren die Möglichkeit einer systemischen Absorption, wenn die vernebelten Medikamente am Mukus der Atemwege haften bleiben und nachfolgend abgeschluckt werden.
In der vorliegenden Studie sollte erfasst werden, ob eine Inhalation mit Albuterol (0,3 μg/kg q24h) gefolgt von inhalativer DSP-Verabreichung mit 2 unterschiedlichen Dosierungen (0,01 mg/kg oder 0,02 mg/kg q24h über 7 Tage) bei Pferden mit hochgradigem Asthma die Lungenfunktion verbessert und die Atemwegsentzündung reduziert. Es handelte sich um eine randomisierte, verblindete Crossover-Studie mit 3 Behandlungsgruppen. Die Pferde erhielten je nach Gruppenzugehörigkeit entweder 0,04 mg/kg DSP intravenös, 0,01 mg/kg DSP per Inhalation (Flexineb) oder 0,02 mg/kg DSP per Inhalation. Die Behandlungen erfolgten alle 24 Stunden über einen Zeitraum von 7 Tagen, und die Pferde erhielten Albuterol 10 Minuten vor der Dexamethason-Gabe in einer Dosierung von 0,3 μg/kg. Ergebnisse des klinischen Scores, der Lungenfunktionsprüfung, der Zytologie der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit (BALF), des ACTH-Stimulationstests sowie die Dexamethason-Konzentrationen in Plasma, BALF und der pulmonalen epithelialen Flüssigkeit (PELF) wurden zwischen den Gruppen und im zeitlichen Verlauf verglichen. Die Dexamethason-Konzentration in der pulmonalen epithelialen Flüssigkeit wurde mittels Harnstoff-Verdünnungsmethode aus den BALF-Werten errechnet. Die Studienpopulation umfasste 7 Pferde, bei denen ein induzierbares und reversibles Asthma diagnostiziert worden war.
Zu Beginn der Untersuchung waren die an SEA erkrankten Pferde aufgrund einer 2-monatigen reinen Weidehaltung in Remission. Nach Aufstallung – Späne, Pellets und qualitativ gutes Heu – wurde zur Auslösung des Asthmaschubes zweimal täglich über 5 Minuten schimmeliges Heu in der Atemzone der Pferde aufgeschüttelt. Zeigten die Pferde erste Anzeichen einer Verschlechterung, wurde das schimmelige Heu in einem Heunetz in die Box gehängt und verblieb dort für die gesamte Dauer des Versuchs. Zeigten die Pferde klinische Symptome und Veränderungen der Lungenfunktionsparameter entsprechend eines Asthmaschubs, wurden Blutproben genommen und eine bronchoalveoläre Lavage durchgeführt. Im nächsten Schritt erfolgte eine der unterschiedlichen Therapien in Abhängigkeit von der Gruppenzugehörigkeit der Tiere. Am 7. Tag erfolgten erneut eine Blutprobenentnahme und die Durchführung einer bronchoalveolären Lavage. Zusätzlich wurde ein adrenocorticotropes Hormon (ACTH)-Stimulationstest durchgeführt. Alle Pferde waren ihre eigenen Kontrollen und durchliefen alle unterschiedlichen Dosierungen.
Die Inhalation von DSP führte zu keiner Verbesserung der klinischen Symptomatik, der Lungenfunktion oder der zytologischen Ergebnisse der BALF-Untersuchung. Eine klinisch relevante Verbesserung der Lungenfunktion wurde einzig bei der intravenösen Gabe von Dexamethason-Natriumphosphat nachgewiesen. Der neutrophile Anteil in der BALF verblieb unabhängig von der Therapie im gesamten Studienverlauf erhöht. Nach der intravenösen Verabreichung von DSP war der basale Serumcortisolwert erniedrigt, während die Ergebnisse des ACTH-Stimulationstests unauffällig blieben, was auf eine erhaltene Nebennierenreserve hindeutet. Anders als in einer früheren Studie führte die Vernebelung von DSP in keiner der beiden Dosierungen zu einer adrenokortikalen Suppression. Die Autoren vermuten, dass durch die vorherige Vernebelung von Albuterol Dexamethason besser in die unteren Atemwege gelangt und dadurch weniger Wirkstoff am Mukus der Atemwege haften bleibt, wodurch die gastrointestinale Resorption durch Abschlucken verringert war.
Die Konzentration von Dexamethason im Plasma war nach der intravenösen Gabe signifikant höher als bei Inhalation des Medikaments, unabhängig von der Dosierung. Auch in der bronchoalveolären Lavageflüssigkeit und in der pulmonalen epithelialen Flüssigkeit unterschied sich die Dexamethason-Konzentration nicht signifikant, unabhängig von Dosierung oder Verabreichungsform. Da trotz vergleichbarer Deposition in der Lunge keine klinische Wirksamkeit hinsichtlich Lungenfunktion oder Atemwegsentzündung nachweisbar war, ist laut Autoren der Einsatz von vernebeltem DSP mit den eingesetzten Dosierungen zur Behandlung von hochgradigem Asthma nicht zu unterstützen. Ursächlich für die fehlende Wirksamkeit könnten proinflammatorische Wirkungen der in der Injektionslösung enthaltenen Konservierungsstoffe sein. Somit zeigen die Ergebnisse dieser Untersuchung, dass die Inhalation von Dexamethason-Natriumphosphat auch in einer Dosierung von 0,02 mg/kg in Kombination mit einer Albuterol-Inhalation sicher ist, jedoch konnte keine klinische Effizienz nachgewiesen werden.
