Der Transport von Sportpferden zu Turnieren und Verkaufsveranstaltungen erhöht die Zahl der Kontakte zwischen Pferden unterschiedlicher Herkunft und damit das Risiko einer Exposition gegenüber Infektionserregern. Die Fédération Équestre Internationale (FEI) schreibt für die Teilnahme an ihren Veranstaltungen eine Impfung gegen Equine Influenza vor. Zusätzlich wird die Impfung gegen Tetanus empfohlen, und abhängig von den jeweiligen epidemiologischen Bedingungen kann eine Impfung gegen weitere Infektionskrankheiten wie das Equine Herpesvirus oder das West-Nil-Virus erforderlich sein. In professionellen Ställen ist es zudem wichtig, dass die Pferde nach Impfungen möglichst schnell wieder trainiert und eingesetzt werden können.
Streptococcus equi subspecies equi ist der Erreger der Druse, einer Erkrankung, die durch Abszessbildung in den Lymphknoten des Kopfes und des Halses gekennzeichnet ist und in schweren Fällen zum Tod des betroffenen Tieres führen kann. Die Druse zählt weltweit zu den häufigsten Infektionskrankheiten des Pferdes. Auch innerhalb der Population der Sportpferde besitzt die Erkrankung eine erhebliche Bedeutung. Seit 2022 ist in Europa mit Strangvac ein rekombinanter Fusionsproteinimpfstoff gegen die Druse verfügbar. Das Vakzineantigen CCE umfasst Bestandteile der Proteine CNE, SclC, SclF, SclI und EAG, während Eq85 aus Komponenten von Eq8 und Eq5 besteht. Zusätzlich ist das sekretierte Protein IdeE enthalten. Diese Proteine spielen eine wichtige Rolle bei der Pathogenese der Druse. In klinischen Studien zeigten geimpfte Pferde signifikant weniger klinische Symptome und Lymphknotenabszesse. Es liegen jedoch bisher kaum Daten zur Immunantwort nach Wiederholungsimpfungen vor.
Ziel der vorliegenden Studie war es, die Antikörperantwort von Sportpferden auf die Bestandteile von Strangvac vor und nach der dritten Impfung zu messen. Die Hypothese lautete, dass die humorale Immunantwort vergleichbar ausfällt, unabhängig davon, ob die dritte Impfung 5 oder 12 Monate nach der zweiten Dosis verabreicht wird. In die longitudinale Kohortenstudie wurden 35 gesunde adulte Sportpferde (Warm- und Kaltbluttraber sowie Islandpferde) mit einem medianen Alter von 12 Jahren (Spanne 4 bis 20 Jahre) eingeschlossen. Alle Pferde wurden in einer Außengruppenhaltung gehalten. Die Tiere der Gruppe 1 (n = 20) erhielten ihre dritte Strangvac-Impfung 5 Monate nach der zweiten Impfung, die Tiere der Gruppe 2 (n = 15) nach 12 Monaten. Die Impfung erfolgte intramuskulär in die Halsmuskulatur. Die Injektionsstelle wurde geschoren und markiert, und die Pferde wurden engmaschig auf Nebenwirkungen überwacht.
Unmittelbar vor sowie 14 Tage nach der dritten Impfung wurden von allen Pferden Blutproben entnommen. Von sechs Pferden der Gruppe 1 stand zusätzlich Restblut aus Proben zur Verfügung, die 7 Monate nach der dritten Impfung (Tag 210) gewonnen worden waren. Die Gesamtantikörpertiter gegen die Impfstoffkomponenten CCE, Eq85 und/oder IdeE wurden mittels iELISA bestimmt. Als Vergleich dienten Serumproben aus früheren Untersuchungen, darunter eine ungeimpfte Negativkontrolle und eine Positivkontrolle.
Die Impfung wurde insgesamt gut vertragen. Bei 3 von 35 Pferden (8,6 %) trat eine geringgradige, über 2 Tage anhaltende Schwellung an der Injektionsstelle auf, davon zwei Pferde aus Gruppe 1 und ein Pferd aus Gruppe 2. Bei den meisten Pferden kam es für etwa einen Tag zu einem Temperaturanstieg von circa 0,8 °C. Innerhalb von 48 Stunden hatten alle Pferde wieder einen normalen Gesundheitszustand erreicht, und am dritten Tag nach der Impfung konnten alle Tiere wieder ihrer vorherigen Leistung entsprechend gearbeitet werden. Während der Studie und im darauffolgenden Jahr traten weder auf dem Betrieb noch bei den geimpften Pferden Drusefälle auf.
Zum Zeitpunkt der dritten Impfung wiesen alle Pferde noch erhöhte Antikörpertiter gegen CCE, Eq85 und/oder IdeE auf. Der mittlere Titer der Gruppe 1 lag 5 Monate nach der zweiten Impfung bei 3,34 ± 0,31, derjenige der Gruppe 2 12 Monate nach der zweiten Impfung bei 3,14 ± 0,29. Der Unterschied zwischen den Gruppen war nicht signifikant. Das ungeimpfte Kontrollpferd ohne bekannte Druseanamnese wies einen Titer von 2,05 auf. Die dritte Strangvac-Impfung führte in beiden Gruppen zu einem signifikanten Anstieg der Antikörpertiter, auf 3,90 ± 0,29 in Gruppe 1 und auf 3,90 ± 0,17 in Gruppe 2. Zwischen den Gruppen bestand 14 Tage nach der dritten Impfung kein signifikanter Unterschied der Antikörpertiter, unabhängig davon, ob die Impfung 5 oder 12 Monate nach der zweiten Dosis erfolgt war.
Bei den sechs Pferden der Gruppe 1, von denen zusätzlich Proben vom Tag 210 vorlagen, unterschieden sich die drei Messzeitpunkte signifikant. Der Titer stieg von 3,49 ± 0,21 vor der dritten Impfung signifikant auf 4,06 ± 0,18 am Tag 14 an und fiel anschließend über die folgenden 7 Monate signifikant auf 3,49 ± 0,21 ab. Die 7 Monate nach der dritten Impfung gemessenen Titer unterschieden sich damit nicht signifikant von den Werten, die bei denselben Pferden unmittelbar vor der dritten Impfung, also 5 Monate nach der zweiten Dosis, gemessen worden waren.
Als Limitationen der Studie sind das Fehlen einer gematchten ungeimpften Kontrollgruppe sowie fehlende Blutproben von vor und nach der ersten und zweiten Impfung zu nennen; die Titerverläufe über 7 Monate basieren zudem auf nur sechs Pferden. Da es sich um eine rein serologische Untersuchung handelt, sind keine direkten Aussagen zur klinischen Schutzwirkung möglich.
Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Antikörpertiter 12 Monate nach der zweiten Impfung nicht signifikant niedriger waren als 5 Monate nach der zweiten Impfung. Die dritte Impfdosis führte in beiden Gruppen zu einem signifikanten und gleichwertigen Titeranstieg. Die beobachteten Impfreaktionen waren geringgradig und vorübergehend. Dennoch sollte nach Ansicht der Autoren ein ausreichender zeitlicher Abstand zwischen Impfung und Training beziehungsweise Wettkampf eingeplant werden.
Ein direkter Zusammenhang zwischen der Höhe des gemessenen Antikörpertiters und dem Schutz vor einer Infektion lässt sich derzeit noch nicht herstellen. Es gibt jedoch zunehmend Hinweise auf eine protektive Wirkung der Impfung unter Feldbedingungen. So entwickelten bei einem Druseausbruch in Schweden nur 2 von 20 geimpften Pferden (10 %) klinische Symptome, verglichen mit 48 von 65 (74 %) ungeimpften Tieren.
