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  • Autoren: Blau-Huber D, Geitzenauer L, Montavon S, Van der Vekens E, Koch C (2026)
  • Journal: Equine Veterinary Education
  • Zusammenfassung: aa

Verletzungen der Ellbogenregion sind bei erwachsenen Pferden selten, können jedoch erhebliche Komplikationen nach sich ziehen. Besonders gefährdet sind Knochen mit geringer Weichteildeckung, da durch ein Trauma Gefäßschäden entstehen können, die lokale Durchblutung beeinträchtigen und damit Infektionen begünstigen. Osteomyelitis tritt beim adulten Pferd selten auf und steht meist im Zusammenhang mit Verletzungen oder infizierten Wunden. Der vorliegende Fall beschreibt Diagnostik, Therapie und Langzeitverlauf einer Osteomyelitis des lateralen Humerusepikondylus bei einem vierjährigen Freiberger-Wallach nach einer Trittverletzung.

Ein anderes Pferd hatte den Wallach gegen die linke Ellbogenregion getreten und dort eine Wunde verursacht. Der Haustierarzt behandelte ihn fünf Tage mit Meloxicam (0,6 mg/kg per os täglich) und Trimethoprim/Sulfadimidin (25 mg/kg per os zweimal täglich). Da Lahmheit und deutliche Schwellung fortbestanden, wurde das Pferd in das National Equestrian Center überwiesen. Die Vitalparameter lagen im Normbereich. Im Schritt bestand eine hochgradige Lahmheit der linken Vordergliedmaße mit verkürzter Vorführphase; die Gliedmaße wurde jedoch vollständig belastet. Röntgenologisch zeigten sich eine Weichteilschwellung und mehrere knöcherne Fragmente lateral des Humeruskondylus. Ein Fistelgang ließ sich vier Zentimeter weit nach kaudoproximal sondieren. Die Wundregion war ödematös, bei Palpation schmerzhaft und sezernierte eitriges Material.

Stationär erhielt der Wallach Penicillin (30 000 IE/kg dreimal täglich), Gentamicin (6,5 mg/kg täglich) und Flunixin-Meglumin (1,1 mg/kg zweimal täglich). Nach sechs Tagen waren Lahmheit und Schwellung deutlich zurückgegangen, sodass oral potenzierte Sulfonamide verabreicht wurden. Fünf Tage später verschlechterte sich der Zustand jedoch erheblich: Die Gliedmaße wurde weniger belastet, Schwellung und eitrige Sekretion nahmen zu und die Körpertemperatur stieg auf 40,0 °C. Es folgten eine Wundrevision mit Kürettage am sedierten, stehenden Pferd sowie eine tiefe Tupferprobe. Bis zum Vorliegen der Kultur wurde Enrofloxacin (5 mg/kg intravenös täglich) eingesetzt. Nachgewiesen wurde eine Mischflora aus mehr als vier Erregern, darunter Streptokokken und Enterokokken. Wegen der hohen Wahrscheinlichkeit einer Kontamination erfolgte keine Resistenzprüfung.

Vier Wochen nach dem Trauma wurde der weiterhin lahme Wallach wegen des Verdachts auf eine persistierende septische Ostitis an die Universitätsklinik Bern überwiesen. Sonographisch reichte ein Fistelgang bis an die unregelmäßige laterale Oberfläche des distalen Humerus. Im lateralen Kollateralband lagen zwei Avulsionsfragmente; im benachbarten gemeinsamen Zehenstrecker bestand eine inhomogene ovoide Läsion mit Abszessverdacht. Das Ellbogengelenk war mittelgradig mit Flüssigkeit gefüllt. Unter Allgemeinanästhesie wurden die Fragmente entfernt und nekrotisches Gewebe débridiert. Die intraoperative Computertomographie bestätigte die vollständige Fragmententfernung und zeigte eine unscharf begrenzte, mottenfraßartige bis permeative Osteolyse vor allem im Mark des lateralen Epikondylus und der distalen Metaphyse, begleitet von geringgradiger Sklerose und mäßiger lamellärer Periostreaktion. Die intraoperativ gewonnene Probe ergab Streptokokken, Staphylokokken und coliforme Bakterien, die gegenüber Doxycyclin empfindlich waren.

Postoperativ erhielt der Wallach Doxycyclin (12,5 mg/kg per os zweimal täglich) und Flunixin-Meglumin (1,1 mg/kg intravenös täglich). Die Wunde heilte vollständig; nach 14 Tagen wurden die Fäden gezogen, nach 20 Tagen das Antibiotikum abgesetzt. Fünf Wochen nach der Operation traten erneut Schwellung und Druckschmerz auf. Röntgenologisch zeigten sich ein beginnender Sequester und zunehmende Periostreaktionen. Unter Bewegungseinschränkung gingen die Beschwerden ohne weitere medikamentöse Therapie zurück. Vier Monate nach der Operation war das Pferd in allen Gangarten lahmheitsfrei; lediglich eine geringgradige, derbe, nicht schmerzhafte Schwellung bestand fort. Die Rehabilitation begann mit sechswöchigem Schrittführen an der Hand sowie Dehn- und Stabilisationsübungen. Später folgten Longen- und Bodenarbeit, anschließend Reit- und Fahrarbeit. Neun Monate nach der Verletzung war der Sequester nahezu vollständig resorbiert, die Knochenneubildung kleiner und die Schwellung fast vollständig abgeklungen. Über mehr als zwei Jahre blieb der Wallach im Einsatz als Schul- und Polizeipferd lahmheitsfrei und ohne erneute Schwellung oder Schmerzen.

Der Fall verdeutlicht die Grenzen konventioneller Röntgenaufnahmen in der frühen Phase einer Osteomyelitis: Sichtbare Veränderungen können einen Verlust der Knochenopazität von 30 bis 50 Prozent voraussetzen. Die Sonographie eignet sich zur Beurteilung von Flüssigkeitsansammlungen, Knochenoberflächen und Fragmenten, erfasst eine Beteiligung des Knochenmarks jedoch nicht zuverlässig. Die Osteomyelitis wurde hier erst mittels intraoperativer Computertomographie eindeutig diagnostiziert. Für den Behandlungserfolg waren ein konsequentes chirurgisches Débridement und eine anschließend am Antibiogramm orientierte antimikrobielle Therapie entscheidend. Nach Einschätzung der Autoren hätten eine frühere weiterführende Bildgebung sowie eine frühzeitige und gegebenenfalls wiederholte Kultur mit Resistenzprüfung die Behandlung optimieren können.