Bei der selten auftretenden Autoimmunerkrankung kutaner Lupus erythematodes (CLE) kann der Krankheitsverlauf plötzlich einsetzen oder schleichend beginnen. Die Ausprägung reicht von geringgradig bis hochgradig. Es bestehen keine Prädispositionen hinsichtlich Rasse, Geschlecht oder Alter. Die typischerweise im Gesicht auftretenden Veränderungen umfassen gut abgegrenzte, depigmentierte Läsionen, welche erosiv oder in manchen Fällen ulzerativ sind. Die Veränderungen sind mit Schuppen oder Krusten bedeckt und von einem Erythem sowie Alopezie umgeben. Die charakteristischen Hautläsionen im Gesicht werden durch Sonnenlicht verschlimmert. Nach der Abheilung ulzerativer Veränderungen kann sich eine Narbe entwickeln, und in hochgradigen Fällen können systemische Symptome wie eine reduzierte Futteraufnahme sowie Gewichtsverlust auftreten. Ohne diese systemischen Symptome ist die Prognose in der Regel gut, sofern keine therapiebedingten Nebenwirkungen auftreten. Die zuvor beschriebenen Behandlungen umfassen Sonnenschutz, die orale Gabe von Glukokortikoiden oder die subkutane Verabreichung von Methotrexat. In diesem Fallbericht wird zum ersten Mal die topische Verwendung von Tacrolimus bei einem Pferd mit CLE beschrieben.
Es handelte sich um einen neunjährigen Wallach mit einer nicht juckenden Hautläsion am rechten Oberlid. Die Veränderung bestand bereits seit 3 Monaten und war zunächst mit einem lokal angewendeten Antiseptikum (verdünnte Jodtinktur) behandelt worden, ohne dass eine Verbesserung erkennbar war. Bei Vorstellung in der Klinik zeigte sich eine gut abgegrenzte, alopezische Hautveränderung mit anhaftenden weißen Schuppen, Erythem und Depigmentierung am Oberlid, umgeben von einem hyperpigmentierten Randbereich. Die histologische Untersuchung der Hautbiopsieproben ergab Befunde entsprechend einer interface-zytotoxischen lymphozytären Dermatitis und Follikulitis in Kombination mit einer epidermalen Depigmentierung infolge pigmentärer Inkontinenz und einem lokalen Verlust von Talgdrüsen. Entsprechend den klinischen und histopathologischen Befunden wurde die Diagnose kutaner Lupus erythematodes gestellt. Der initiale Therapieversuch umfasste die einmal tägliche lokale Anwendung von Betamethason in Kombination mit einer Fliegenmaske mit integriertem UV-Schutz. Diese Therapie erzielte innerhalb von 30 Tagen eine deutliche Verbesserung der Depigmentierung, sodass die Betamethason-Anwendung auf zweimal wöchentlich reduziert wurde. Da nach 2 Monaten eine vollständige Repigmentierung erreicht war, wurde die Anwendung weiter auf einmal wöchentlich reduziert; 15 Tage später kam es jedoch zu einem leichten Rückfall der Depigmentierung, weshalb die Anwendung erneut auf zweimal wöchentlich erhöht wurde. Innerhalb von 4 Monaten war eine vollständige Repigmentierung mit leichtem Haarwachstum festzustellen, allerdings blieb die Haut schuppig und es verblieb eine verstärkte Ausprägung der normalen Hautlinien.
Aufgrund des unvollständigen Therapieerfolgs sowie Bedenken hinsichtlich einer langfristigen Glukokortikoidtherapie wurde auf eine einmal tägliche lokale Therapie mit 0,1%igem Tacrolimus umgestellt. Tacrolimus ist ein Calcineurin-Inhibitor, der durch Hemmung der T-Lymphozytenaktivierung die Transkription und Synthese proinflammatorischer Zytokine unterdrückt und dadurch Entzündungen reduzieren kann. Sowohl beim Menschen als auch beim Hund wird dieser Wirkstoff zur Behandlung von chronischem kutanem Lupus erythematodes eingesetzt. Durch die Anwendung von Tacrolimus bildeten sich die Läsionen bei dem betroffenen Wallach innerhalb eines Monats vollständig zurück, woraufhin die Therapie auf zweimal wöchentlich reduziert wurde. An Tag 180 war die Haut der betroffenen Region bis auf eine geringgradige fokale Alopezie vollständig abgeheilt; da dies in die Wintermonate fiel, wurde die Therapie beendet. Im darauffolgenden Jahr zeigte sich am Ende des Sommers eine kleine hypopigmentierte Stelle, die daraufhin allein durch die UV-Maske kontrolliert werden konnte. Trotz Verwendung der UV-Maske wurde 2 Jahre nach dem erstmaligen Auftreten an derselben Lokalisation erneut eine durch Alopezie und Hypopigmentierung charakterisierte Veränderung festgestellt. Die daraufhin zunächst tägliche lokale Therapie mit 0,1%igem Tacrolimus über 15 Tage, gefolgt von einer zweimal wöchentlichen Anwendung über weitere 15 Tage, erzielte eine vollständige Abheilung. Dieses Therapieschema wurde bis zum Ende des Sommers fortgeführt und im darauffolgenden Sommer erneut angewendet. Während der dreijährigen Nachbeobachtungszeit wurde die Therapie jeweils von Herbst bis zum späten Frühjahr pausiert. Die auf den Sommer begrenzte Therapie war ausreichend, um ein erneutes Auftreten der Läsion zu verhindern.
