Das Equine Herpesvirus 1 (EHV-1) ist weltweit eines der wichtigsten und epidemiologisch relevantesten Pathogene beim Pferd. Eine primäre Infektion erfolgt meist schon beim Jungtier und die lebenslange Persistenz des Virus kann durch Reaktivierung zu Übertragung innerhalb von Pferdepopulationen führen. Die klinische Erkrankung ist sehr variabel und reicht von selbstlimitierenden Atemwegserkrankungen über Aborte bis hin zur schwerwiegenden Equinen Herpesvirus-Myeloenzephalopathie (EHM). Die Übertragung über die Atemwege wird als primäre Infektionsroute angenommen, jedoch konnte auch aus Augensekret, Urin und Kot sowie auf Oberflächen in der Umgebung erkrankter Pferde virale DNA nachgewiesen werden.
EHV-1 hat durch Ausbrüche auf internationalen Pferdesportveranstaltungen erneut an Relevanz gewonnen. Insbesondere die Ausbrüche in Valencia 2021 und Oliva 2023 zeigten die Notwendigkeit für ein besseres Verständnis der Virusübertragung auf. Ziel dieser Studie war es daher, die Ausscheidung des EHV-1-Virus in verschiedenen biologischen Matrizes während eines natürlichen Ausbruchs zu evaluieren. Darüber hinaus sollte der Einfluss des Impfstatus auf Virusnachweis, Viruslast und das Auftreten einer Lymphopenie untersucht werden.
In die Studie wurden zehn Pferde eingeschlossen, die im Jahr 2023 im Rahmen eines internationalen Springturniers in Oliva, Spanien, klinische Anzeichen einer EHM entwickelten und daraufhin in die Pferdeklinik der Universität CEU Cardenal Herrera in Valencia verbracht wurden. Die Pferde waren für 10–12 Tage stationär in der Klinik. Währenddessen wurde die EHV-1-Infektion labordiagnostisch nachgewiesen und eine symptomatische Therapie durchgeführt. Für alle Tiere wurde der Impfstatus erhoben. Die geimpften Pferde waren alle mit einem inaktivierten kombinierten EHV-1/4-Impfstoff (Equip®, Zoetis) geimpft worden. Die Pferde galten als korrekt geimpft, wenn sie zwei Grundimmunisierungen im Abstand von 4 Wochen sowie mindestens einen jährlichen Booster erhalten hatten. Andernfalls wurden sie als nicht korrekt geimpft eingestuft.
Während des Klinikaufenthaltes wurden, sofern jeweils bei dem individuellen Pferd möglich, täglich Nasen- und Augentupfer entnommen sowie Urin- und Kotproben gewonnen. Darüber hinaus wurde täglich eine Blutprobe zur Bestimmung der Lymphozytenzahl entnommen. Als Lymphopenie wurden Werte < 1600 Zellen/µl definiert. Aus den Tupferproben sowie den Kot- und Urinproben erfolgte eine Untersuchung auf EHV-1-DNA mittels real-time PCR. Insgesamt wurden 306 Proben analysiert, darunter 94 Nasentupfer, 73 Augentupfer, 81 Kotproben und 58 Urinproben. Der Nachweis von EHV-1 unterschied sich deutlich je nach Art der Matrix. Nasentupfer zeigten mit 76,6 % die höchste Positivrate, gefolgt von Augentupfern mit 49,3 %. Kot- und Urinproben wiesen mit 34,6 % bzw. 32,8 % deutlich niedrigere Nachweisraten auf.
In Bezug auf den zeitlichen Verlauf der Nachweisbarkeit des EHV-1-Virus zeigten Nasentupfer bereits im frühen Stadium der Erkrankung, aber auch über den gesamten Beobachtungszeitraum hinweg, eine hohe Positivrate. Augentupfer zeigten anfänglich ebenfalls eine hohe Nachweisquote, die dann aber schnell abfiel. In den letzten Tagen des Beobachtungszeitraumes waren sie vollständig negativ. Urinproben zeigten in der ersten Hälfte des Untersuchungszeitraumes eine moderate Nachweisquote, in der zweiten Hälfte gab es keine positiven Proben mehr. Auch Kotproben waren vor allem zu Erkrankungsbeginn positiv und zeigten in der Folge nur noch eine niedrige Positivquote.
In Bezug auf den Impfstatus der Tiere war die Nachweisquote zu Beginn der Erkrankung aus Nasentupfern sowohl bei geimpften (n = 6) als auch bei ungeimpften Pferden (n = 4) hoch. Im Verlauf zeigten geimpfte Pferde ein stabileres Nachweislevel, wohingegen der Nachweis bei den ungeimpften Tieren einer größeren Variabilität unterlag. In beiden Gruppen gab es bis zum Ende des Beobachtungszeitraumes positive Nachweise. In Urin- und Kotproben, die in beiden Gruppen nur inkonstant positiv waren, verschwand das Virus bei ungeimpften Pferden schneller. Insgesamt zeigte sich für alle Matrizes ein Wechsel zwischen positiven und negativen Proben, teilweise mit erneut positiven Nachweisen, nachdem das Pferd bereits negativ getestet war.
Die Viruslast in den Nasentupfern unterschied sich nicht signifikant zwischen geimpften und ungeimpften Pferden. Nasentupfer zeigten insgesamt nicht nur die höchste Nachweisrate, sondern auch eine höhere und anhaltendere Viruslast als die anderen Matrizes. Es lag ein negativer Effekt zwischen Tag der Erkrankung und Wahrscheinlichkeit des EHV-1-Nachweises aus Nasensekret vor, sodass mit jedem zusätzlichen Erkrankungstag die Wahrscheinlichkeit eines positiven Nachweises sank. Auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Lymphopenie sank im Verlauf der Erkrankung, sodass sie zu Beginn der Erkrankung in höherer Frequenz auftrat und sich im späteren Verlauf gab. Geimpfte Pferde hatten ein deutlich geringeres Risiko, eine Lymphopenie zu entwickeln, als ungeimpfte Pferde.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass wiederholte Probennahmen für das Management eines EHV-1-Ausbruchs notwendig sind. Klinisch betroffene Tiere sowie Kontakttiere sollten zu Krankheitsbeginn und im Anschluss alle 48 bis 72 Stunden getestet werden. Dieses Regime sollte für 10–14 Tage nach Fieberbeginn oder der letzten Exposition aufrechterhalten werden. Isolationsmaßnahmen sollten so lange bestehen bleiben, bis keine klinischen Symptome mehr vorliegen und mindestens zwei aufeinanderfolgende Nasentupfer mittels PCR negativ getestet wurden. Nasentupfer zeigten sich in dieser Untersuchung in der Erkennung positiver Pferde den Proben aus anderen Matrizes deutlich überlegen. Obwohl die anderen Matrizes diagnostisch weniger sensitiv waren, zeigen die Ergebnisse, dass auch über sie eine Virusausscheidung stattfindet und sie damit zur Kontamination der Umwelt beitragen können. Dies kann bei EHV-1-Ausbrüchen von Relevanz sein, da die Herpesviren in der Umwelt für mindestens 48 Stunden und in Wasser bis zu 14 Tage potenziell infektiös bleiben können.
Der Impfstatus der Tiere hatte in dieser Untersuchung keinen signifikanten Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit positiver Nasentupfer oder auf die Viruslast, jedoch entwickelten geimpfte Pferde signifikant seltener eine Lymphopenie. Dies deutet darauf hin, dass die Impfung zu einer Modulation der systemischen Immunantwort führt. Zusammenfassend zeigte die Untersuchung der durch einen natürlichen EHV-1-Ausbruch infizierten Pferde, dass Nasentupfer nach wie vor die verlässlichste Probenart für das Monitoring darstellen. Wiederholtes Testen und eine ausreichend lange Aufrechterhaltung von Isolations- und Hygienemaßnahmen sind essentiell für die Kontrolle derartiger Ausbrüche.
