Bei Pferden mit dem Sidewinder-Gangbild bewegen sich die Vordergliedmaßen regelhaft; die Hintergliedmaßen allerdings driften zur Seite, so dass sie praktisch auf dem zweiten Hufschlag sind. Im Stand lehnen sich die Pferde gerne zur Seite und ihr Becken an die Wand. Unterschiedliche neurologische und orthopädische Ätiologien können für das Gangbild verantwortlich sein. Erkrankungen wie Kompression des Rückenmarks, die equine protozoale Myeloenzephalitis (EPM), thorakale Myelopathie unbekannter Ursache, Thrombose der thorakalen Segmente des Rückenmarks, Osteoarthritis des Hüftgelenks, Beckenfrakturen, bilaterale Ruptur des Ligamentum capitis ossis femoris und Myonekrose von multiplen Beckenmuskeln werden in dieser Hinsicht genannt. Auch bei Frakturen des Tuber coxae wurde dieses Gangbild beschrieben. Im Allgemeinen ist die Prognose eher schlecht. In dem vorliegenden Fallbericht werden die klinischen und postmortalen Befunde eines Pferdes mit dem Sidewinder-Gangbild beschrieben, bei welchem dieser Befund plötzlich akut auftrat. Es handelte sich um einen 10 Jahre alten Wallach, bei welchem vorberichtlich rezidivierend Hufabszesse und Zellulitis der Hintergliedmaßen diagnostiziert worden waren. Vor der Klinikeinweisung entwickelte sich nach einer Galoppphase eine Hinterhandlahmheit. Drei Tage später zeigte der Wallach das Sidewinder-Gangbild, direkt nachdem er sich gewälzt hatte. Da der Titer für EPM positiv war, erfolgte zunächst eine 14-tägige Therapie mit Ponazuril, und da dies keine Verbesserung erzielte, wurden eine 10-tägige Dexamethason- und eine einwöchige Flunixin-Gabe ergänzt. Diese blieben aber auch ohne klinische Verbesserung des Gangbildes, woraufhin das Pferd in die Klinik überwiesen wurde.
Zum Zeitpunkt der Klinikeinweisung waren die Körperinnentemperatur, Herz- und Atemfrequenz in der Norm und auch das Allgemeinverhalten unauffällig. Die neurologische Untersuchung zeigte keine Anzeichen für Ataxie oder Defizite in der Propriozeption, und auch die Funktion der kranialen Nerven war regelhaft. Es bestand eine geringgardige, bilaterale, symmetrische Atrophie der glutealen und epaxialen Muskulatur. Im Stand positionierte der Wallach die Hintergliedmaßen immer asymmetrisch, insofern als die rechte Gliedmaße nach lateral gesetzt wurde und die linke Gliedmaße nach rechts versetzt vermehrt unter den Schwerpunkt gestellt wurde und mehr Last aufnahm. Somit lehnte sich das Pferd mit der Kruppe nach links. Im Schritt auf der linken Hand schob der Wallach die Hinterhand nach innen auf den zweiten Hufschlag und nahm mehr Gewicht auf die innere linke Gliedmaße. Die orthopädische Untersuchung konnte keinen lokalen Schmerz bei der Palpation der cervicalen, thoracolumbalen und Beckenregion feststellen, und ebenso waren die epaxiale und gluteale Muskulatur sowie die distalen Gliedmaßen nicht schmerzhaft. Die rektale Untersuchung sowie der Ultraschall der Beckenregion waren unauffällig. In der Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke ließen sich keine definitiven Läsionen darstellen; allerdings bestand der Verdacht auf einer geringgradigen Irregularität des rechten Acetabulums, vereinbar mit möglichen degenerativen Veränderungen. Da der Besitzer keine weitere Diagnostik wünschte, wurde das Pferd aufgrund der schlechten Prognose euthanasiert, und es erfolgte eine Sektion.
Bei dieser zeigte sich eine komplette Ruptur des Ligamentum capitis ossis femoris, einhergehend mit einer Osteoarthritis des rechten Acetabulums. Der artikuläre Knorpel des Femurkopfes zeigte Veränderungen entsprechend einer chronischen Osteoarthritis. Der rechte Musculus biceps femoris wies Veränderungen entsprechend einer Myopathie auf, welche möglicherweise eine Folge der Gelenksinstabilität und Veränderung der Gewichtsbelastung und somit Muskelverwendung sein könnten. Das linke Ligamentum capitis ossis femoris wies keinerlei Befunde auf. Die Autoren vermuten, dass Veränderungen aufgrund der chronischen coxofemoralen Osteoarthritis letztendlich sekundär zu der Ruptur des Bandes führten. In dem vorliegenden Fall entwickelte sich die akute Problematik plötzlich nach dem Wälzen des Pferdes. Die Autoren nehmen an, dass durch das Sidewinder-Gangbild die betroffenen Pferde versuchen, die betroffene Gliedmaße zu entlasten – entweder aufgrund von Schmerz oder Instabilität. Entsprechend dieses Falles würde im Fall einer Ruptur des Ligamentum capitis ossis femoris die betroffene Gliedmaße im Stand nach lateral ausgestellt werden und in der Schrittbewegung die gesunde Gliedmaße auf dem zweiten Hufschlag laufen.
