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  • Autoren: Samol M A, Barrett M F, Frisbie D D (2026)
  • Journal: Equine Veterinary Journal
  • Zusammenfassung: ag

Die unterschiedlichen Strukturen des Hufgelenks (DIPJ) sind häufig lahmheitsbegründend. Aufgrund der begrenzten Spezifität der diagnostischen Anästhesien kann es schwierig sein, die exakt betroffene Struktur zu eruieren. Das in der Regel zuerst verwendete diagnostische Verfahren ist die radiografische Darstellung der distalen Zehe. Zu den radiografisch erhobenen Befunden zählen Osteophyten, subchondrale Knochenläsionen, Enthesiopathie der Gelenkkapsel und eine Verschmälerung des Gelenksspaltes. Natürlich können bestimmte Pathologien innerhalb des Gelenkes, wie zum Beispiel ein Knorpelschaden, radiografisch nicht dargestellt werden. Aus der Erfahrung der Autoren zeigen Pferde mit Knorpelschäden des Hufgelenks oft eine Synovitis, einhergehend mit der Verdickung der Gelenkkapsel und einer Enthesiopathie. In diesen Fällen kann eine knöcherne Zubildung entlang des dorsalen diaphysären Kortex des Kronbeins dargestellt werden.

Mehrere Weichteilstrukturen setzen im dorsalen Bereich des Kronbeins an, wie zum Beispiel die Gelenkkapsel des Krongelenks und die Fasern des gemeinsamen Zehenstreckers dorsoproximal sowie die chondrocoronalen Bänder mittig dorsoproximal zum Ursprung der Kollateralbänder des Hufgelenkes. Bei einer Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel bildet sich eine knöcherne Zubildung mediosagittal; somit ist die lateromediale Aufnahme in der Regel die beste Projektion für die radiografische Beurteilung und Diagnose. Ausgeprägte Fossae collaterales des Kronbeins oder eine chondrocoronale Enthesiopathie sind fokal und dorsomedial bzw. dorsolateral lokalisiert. Horizontale Schrägaufnahmen (Oblique-Projektionen) können hilfreich sein, um prominente Ränder der Fossae collaterales und eine chondrocoronale Enthesiopathie von einer Enthesiopathie des Hufgelenks zu unterscheiden.

Bei der vorliegenden Veröffentlichung handelte es sich um eine retrospektive, deskriptive Fallserie einer Überweisungsklinik. In der Auswertung wurden Röntgen- und MRI-Aufnahmen aus den Jahren 2013–2024 berücksichtigt. Die Röntgenaufnahmen mussten innerhalb eines Monats vor oder nach dem MRI angefertigt worden sein; zudem war Einschlusskriterium die Bestätigung der Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel im Hochfeld-MRI. Der Schweregrad der Enthesiopathie wurde sowohl auf den Röntgenaufnahmen als auch auf den MRI-Aufnahmen graduiert (1–4). Weitere Befunde wie Läsionen des Knorpels, eine synoviale Proliferation, vermehrte Gelenksfüllung, Befunde der periartikulären Ränder des Gelenkes und der kollateralen Bänder wurden erhoben.

In die Auswertung flossen letztendlich Daten von 18 Pferden ein. Es handelte sich um 8 Warmblüter und 7 Quarter Horses sowie 1 Vollblut und 2 Friesen mit einer Altersspanne von 2–11 Jahren (durchschnittlich 9,8 Jahre). Bei 21 Gliedmaßen (19 Vordergliedmaßen, 2 Hintergliedmaßen) war eine Enthesiopathie der Gelenkkapsel des Hufgelenks mittels MRI und lateromedialen Röntgenaufnahmen bestätigt worden. Die Lahmheit der Pferde variierte zwischen 1 und 4/5. Ein Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Enthesiopathie, erhoben über MRI, und dem Schweregrad der Lahmheit konnte nicht nachvollzogen werden. Die Dauer der Lahmheit variierte zwischen 3 Tagen und 36 Monaten, im Median 3 Monate. Der mediane radiografische Schweregrad der Enthesiopathie lag bei 2, dagegen lag dieser auf MRI-basierten Befunden geringgradig höher bei 3. Es zeigte sich eine statistisch signifikante Korrelation zwischen dem mittels Röntgenaufnahmen erhobenen Schweregrad und dem mittels MRI-Befunden erhobenen Schweregrad.

Bei 95 % (20/21) der Gliedmaßen wurden Schäden des Gelenkknorpels identifiziert. Bei nur einem Pferd wurden in Verbindung mit den Knorpeldefekten Veränderungen des subchondralen Knochens festgestellt. In den meisten Fällen waren diese Befunde mittelgradig bis hochgradig. Eine Korrelation zwischen dem Schweregrad dieser Knorpelschäden und der Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel, erhoben über die Röntgenaufnahmen und die MRI-Befunde, konnte nicht nachvollzogen werden. Auch der Schweregrad der Lahmheit korrelierte nicht mit der Ausprägung der Knorpelschäden. In 91 % der Fälle lag eine proliferative Synovitis vor, welche mittelgradig war, und auch hier zeigte sich keine Korrelation zwischen dem Schweregrad der Synovitis und der Ausprägung der Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel, weder auf Röntgenaufnahmen noch auf MRI-Bildern.

Eine vermehrte Füllung des Hufgelenks wurde bei 62 % der Gliedmaßen festgestellt, und es zeigte sich eine moderate negative Korrelation zwischen dem MRI-basierten Schweregrad der Enthesiopathie und dieser Gelenksfüllung. Dieser ansteigende Schweregrad der Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel bei gleichzeitig verringerter Gelenksfüllung steht im Einklang mit einer proliferativen Synovitis und der Progression der degenerativen Gelenkserkrankung. Eine Veränderung der kollateralen Bänder des Hufgelenks konnte bei 52 % der Gliedmaßen festgestellt werden. Auch hier lag keine Korrelation zwischen dem Schweregrad dieser Veränderungen und der Enthesiopathie, erhoben über die Röntgenaufnahmen, vor, allerdings eine moderate, statistisch signifikante Korrelation zwischen dem Befund eines veränderten Kollateralbandes und der Enthesiopathie, erhoben über MRI-Bilder. Auch die Darstellung von periartikulären Osteophyten korrelierte nicht mit der Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigten, dass eine Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel, dargestellt auf Röntgenaufnahmen, häufig in Kombination mit Schäden des artikulären Knorpels des Gelenkes auftrat. Entsprechend den Autoren dieser Studie ist das Vorliegen einer Enthesiopathie der Hufgelenkskapsel auf Röntgenaufnahmen hinweisend für Läsionen im Bereich des Hufgelenks und unterstützt somit die Empfehlung entsprechender Management-Maßnahmen oder von weiterer Diagnostik.