Das schwere equine Asthma (SEA) betrifft annähernd 15 % der adulten Pferde. Im Rahmen eines Asthmaschubs, also einer Exazerbation, zeigen die Pferde eine Dyspnoe in Ruhe, eine Leistungseinschränkung sowie eine Einschränkung der Lebensqualität. Im Rahmen des langfristigen Managements von SEA spielt die Reduzierung der Exposition gegenüber Antigenen und atemwegsgängigem Staub eine besondere Rolle. Daher sollte die Exposition gegenüber trockenem Heu vermieden werden. Alternativen zum trockenen Heu schließen Pellets, Heucobs, Silage, gewässertes Heu, eingeöltes Heu, reine Weidehaltung und bedampftes Heu ein. Jedes dieser Ersatzraufutter weist Nachteile auf. Die Fütterung von gewässertem Heu verbesserte die Lungenfunktion, aber das Wässern führt zu einer Verringerung der Nährstoffgehalte, und zum anderen besteht die Möglichkeit einer exzessiven Bakterienvermehrung. Die Fütterung von Pellets war sehr effektiv im Hinblick auf eine Verbesserung der Lungenfunktion und der Atemwegsentzündung, allerdings ist sie langfristig teuer, und die Futteraufnahmezeiten sind kurz, was zu Verhaltensänderungen führen kann. Eingeöltes Heu ist ebenfalls effizient, allerdings steht das notwendige Equipment zurzeit nicht wirklich zur Verfügung. Bedampftes Heu verbesserte die Lungenfunktion, allerdings wurde nachgewiesen, dass dieser Effekt vorübergehend und im Vergleich zur Fütterung von Pellets weniger gut ausgeprägt war. Daher war das Ziel der vorliegenden Studie zu beurteilen, ob die Fütterung von bedampftem Heu bei Pferden mit hochgradigem Asthma in Remission eine Auswirkung auf die Lungenfunktion oder die Atemwegsentzündung aufweist. Diese Ergebnisse sollten mit den Auswirkungen einer Fütterung mit trockenem Heu verglichen werden.
Es handelte sich um eine Cross-over-Studie mit adulten Pferden mit diagnostiziertem hochgradigem equinem Asthma aus der Asthma-Forschungsherde der Universität Montréal. Die Diagnose beruhte auf Anamnese, klinischer Untersuchung, Lungenfunktionsmessung und bronchoalveolärer Lavagezytologie. Vor Studienbeginn waren alle Pferde über 4 Monate auf der Weide gehalten worden bzw. hatten ad libitum Silage erhalten. Nach einer zweiwöchigen Eingewöhnungsphase im Stall mit Fütterung von Luzernepellets wurden die Tiere entweder über 4 Wochen mit trockenem Heu oder mit bedampftem Heu gefüttert. Anschließend erfolgte eine 4-wöchige Wash-out-Phase mit Luzernepellets, bevor die Pferde in die jeweils andere Behandlungsgruppe wechselten. Vor und 4 Wochen nach der Heufütterung erfolgten eine Lungenfunktionsprüfung, die Durchführung einer Endoskopie mit Mukusbeurteilung und bronchoalveolärer Lavage, die zytologische Untersuchung der Lavageflüssigkeit sowie die Erhebung eines 23-Punkte-gewichteten klinischen Scores. Das Bedampfen des Heus erfolgte mit einem Haygain. Die Deckeltemperaturen erreichten 80 °C, sodass sichergestellt sein sollte, dass die Kerntemperatur des Heuballens 100 °C erreichte. Die Bedampfung erfolgte über 1 Stunde. Das Heu wurde direkt nach einer 30-minütigen Abkühlphase gefüttert.
Insgesamt erhielten 9 Pferde sowohl bedampftes Heu als auch trockenes Heu. Es handelte sich um 5 Quarter Horses, 2 Paint Horses, 1 Vollblut und 1 Canadian Horse. Es kam über den Studienzeitraum zu einem signifikanten Anstieg des Atemwegswiderstands bei 3, 5 und 7 Hz, was einer Verschlechterung der Lungenfunktion entsprach. Dieser Effekt war unabhängig von der Art des gefütterten Heus. Nach 4-wöchiger Raufutterfütterung – unabhängig davon, ob bedampftes oder trockenes Heu gefüttert wurde – führte die Inhalation von Salbutamol zu einer signifikanten Bronchodilatation. Die Ausprägung dieser Bronchodilatation war unabhängig von der Art des Raufutters. Der Anteil der neutrophilen Granulozyten in der BALF stieg signifikant über die Zeit an, und auch dies war unabhängig von der Art des gefütterten Raufutters. Der Mukus-Score sank im Vergleich zum Basiswert nach der 4-wöchigen Fütterung von trockenem Heu signifikant, nicht aber nach der Fütterung von bedampftem Heu. Die Ergebnisse des 23-Punkte-gewichteten klinischen Scores veränderten sich über den Studienzeitraum nicht signifikant. Während der gesamten Studie überschritt kein Pferd einen klinischen Score von 6 Punkten. Die Tiere entwickelten somit lediglich sehr geringgradige klinische Symptome. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sich die Lungenfunktion und die Atemwegsentzündung über die 4-wöchige Phase unabhängig von der Art des gefütterten Heus verschlechterten. Verschiedene Untersuchungen konnten nachweisen, dass bedampftes Heu hinsichtlich der Staub-, Bakterien- und Schimmelbelastung eine gute hygienische Qualität aufweist, aber nicht vollständig staubfrei ist. Somit können die noch vorhandenen Antigene ausreichend sein, um bei Pferden mit hochgradigem Asthma eine Entzündungsreaktion und Bronchokonstriktion auszulösen. Zu beachten ist, dass die Verschlechterung der Lungenfunktion bei der hier vorliegenden Pferdeanzahl und Studiendauer nicht erkannt worden wäre, wenn lediglich die klinischen Symptome beurteilt worden wären, da die Pferde nur geringgradige klinische Symptome entwickelten. Die Pferde zeigten somit lediglich eine subklinische Exazerbation.
