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  • Autoren: Vigneau M, Picandet V, Polle F, Guérin V, Petry S, Desquilbet L, Quéré E (2026)
  • Journal: Journal of Veterinary Internal Medicine
  • Zusammenfassung: in

Sepsis ist eine häufige Todesursache bei neugeborenen Fohlen. Die Diagnosestellung kann herausfordernd sein, da sie in der Regel auf klinischen Befunden beruht. Die Bakteriämie kann mittels Blutkultur festgestellt werden, doch auch diese Diagnostik unterliegt Einschränkungen. Bis Ergebnisse vorliegen, können bis zu 7 Tage vergehen, und Sensitivität und Spezifität sind moderat. Da eine Sepsis jedoch einen lebensbedrohlichen Notfall darstellt und ein rascher und aggressiver Beginn der antimikrobiellen Therapie essentiell ist, muss diese in der Regel schon vor dem Vorliegen der Blutkulturergebnisse begonnen werden. Daher ist das Wissen über Art und Sensibilität häufiger Erreger von Bakteriämien beim Fohlen von großer Bedeutung. Bis 2015 waren dies überwiegend gramnegative Bakterien. In den letzten Jahren zeigte sich jedoch in mehreren Untersuchungen eine Dominanz grampositiver Erreger. Die Zunahme an Antibiotika-Resistenzen stellt ein zusätzliches therapeutisches Problem dar. In der Humanmedizin sind multiresistente Keime mit einer erhöhten Mortalität bei Sepsis-Patienten verbunden. Diese Beobachtung konnte in Untersuchungen an Fohlen bislang nicht bestätigt werden.

Ziel dieser Untersuchung war es, Bakterienarten und deren Sensibilität gegenüber Antibiotika bei schwerkranken Fohlen zu dokumentieren. Darüber hinaus sollte ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Versterben der Fohlen während des Klinikaufenthaltes und dem Nachweis multiresistenter Erreger untersucht werden. In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von Fohlen im Alter von <7 Tagen ausgewertet, die in zwei verschiedenen Kliniken in der Normandie vorgestellt wurden und bei denen sofort oder innerhalb von 5 Tagen nach Klinikeinweisung eine Blutkultur angelegt worden war. Signalement, Laborbefunde, Ergebnisse der Bakteriologie und Verabreichung antimikrobiell wirksamer Medikamente vor oder während des Klinikaufenthaltes wurden erfasst sowie das Überleben der Fohlen bis zur Klinikentlassung. Blutproben wurden aseptisch aus der Jugularvene entnommen und in ein Blutkulturmedium überführt. Sofern sich innerhalb von 5 Tagen bakterielles Wachstum zeigte, erfolgte eine Bestimmung der Erreger. Im Anschluss wurde eine Resistenzbestimmung mittels Plattendiffusionstest durchgeführt. Hierbei wurden viele der in der Pferdemedizin gängigen Antibiotika getestet. Als multiresistent wurden solche Erreger eingestuft, die gegen drei oder mehr Antibiotikagruppen resistent waren.

Die Untersuchung umfasste 243 Fohlen, bei 104 (43 %) war das Blutkulturergebnis positiv. Bei 24 Fohlen (23 %) wurden zwei Bakterienspezies nachgewiesen, bei 4 Fohlen (4 %) drei Spezies und bei 2 Fohlen (2 %) vier Spezies. Grampositive Bakterien machten 65 % der Isolate aus. Insgesamt wurden Staphylococcus spp. (25 %), Escherichia coli (11 %), andere Enterobacteriaceae (6 %), Streptococcus spp. (11 %), Enterococcus spp. (7 %), Moraxella spp. (7 %) und Pasteurella spp. (5 %) am häufigsten isoliert. Lediglich zwei Isolate waren Anaerobier und gehörten zur Gattung Clostridium. Im Rahmen der 127 durchgeführten Resistenztests wurden bei 26 % multiresistente Erreger nachgewiesen, wobei es sich in 70 % der Fälle um grampositive Bakterien handelte. Bei vier Fohlen wurden mehrere multiresistente Erreger nachgewiesen.

Bei 43 Fohlen wurde bereits vor Klinikeinweisung und Blutentnahme ein Antibiotikum verabreicht, wobei am häufigsten Ceftiofur zum Einsatz kam (49 %), gefolgt von Trimethoprim-Sulfonamid (TMS, 16 %) und einer Kombination aus Penicillin und Gentamicin (12 %). Von den Fohlen, die Ceftiofur erhalten hatten, wurden in der Folge bei 14 % dieser Fohlen Bakterien isoliert, die eine Resistenz gegen dieses Antibiotikum aufwiesen. Bei TMS lag der entsprechende Prozentsatz bei 29 % und bei Penicillin/Gentamicin bei 40 %. Es zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen dem Anteil positiver Blutkulturen bei vorbehandelten (40 %) und nicht vorbehandelten Fohlen (44 %). Von den 243 Fohlen verstarben 44 (18 %) während des Klinikaufenthaltes. Die Mortalität betrug bei Fohlen mit positiver Blutkultur 22 % und bei Fohlen mit negativer Blutkultur 15 %. Unter den Fohlen mit positiven Blutkulturen lag die Mortalität der Tiere, bei denen multiresistente Erreger nachgewiesen wurden, bei 18 % und bei Tieren ohne multiresistente Erreger bei 24 %, ohne signifikanten Unterschied.

In der vorliegenden Studie waren 43 % der Blutkulturen positiv, was am oberen Ende der bisher publizierten Positivraten liegt. Da es bislang keine festgelegten Standards für das Anlegen von Blutkulturen gibt, können Unterschiede bei Präanalytik oder Bearbeitung der Blutkulturen zu unterschiedlichen Positivraten führen. Der Nachweis von 65 % grampositiven Bakterien deckt sich mit aktuellen Studien, die ebenfalls von einer Zunahme grampositiver Isolate berichten. Bei 29 % der Fohlen mit positivem Blutkulturergebnis konnten mehrere Keime isoliert werden. Bei Blutkulturen mit dem Wachstum von drei oder mehr unterschiedlichen Bakterienarten muss jedoch möglicherweise eine Kontamination in Betracht gezogen werden. Eine Studie aus der Humanmedizin legt nahe, dass die Zeitspanne bis zum Sichtbarwerden eines positiven Ergebnisses der Blutkultur ein Indikator dafür sein könnte, ob es sich um eine Kontamination oder eine echte Bakteriämie handelt. Dies könnte künftig für eine verbesserte Interpretation von Blutkulturergebnissen interessant sein.

Multiresistente Erreger machten 26 % der Isolate aus. Die wenigsten Resistenzen lagen gegen Aminoglykoside, insbesondere Amikacin, vor. Auch Fluorchinolone waren mit relativ niedrigen Resistenzraten verbunden, sie können jedoch beim Fohlen zu Knorpelschäden und Synovialitis führen. Die Resistenzrate für Tetrazykline zeigte sich moderat. Sowohl gramnegative als auch grampositive Bakterien wiesen moderate bis hohe Resistenzraten gegen TMS und Ceftiofur auf. Auch gegen Penicillin lagen häufig Resistenzen vor. Eine bessere Resistenzlage zeigte sich für Amoxicillin mit Clavulansäure. Sowohl die Stellung von Ceftiofur in den Antibiotikaleitlinien als auch die häufige Resistenz von E. coli gegen Ceftiofur lassen dieses Antibiotikum nicht mehr als geeignetes Mittel der ersten Wahl bei Fohlen mit Sepsis erscheinen. Amoxicillin mit Clavulansäure ist aufgrund seines günstigeren Resistenzspektrums eine interessante Therapieoption. Beim Fohlen ist aufgrund der raschen Elimination nach intravenöser Verabreichung die orale Gabe zu bevorzugen. Bei hochgradig septischen Fohlen sollte die parenterale Gabe eines anderen Antibiotikums erfolgen.

In der Literatur gibt es unterschiedliche Meinungen zur Gabe von Antibiotika vor der Blutentnahme für eine Blutkultur. Eine Untersuchung an 50 Fohlen konnte keinen Zusammenhang zwischen der Gabe von Antibiotika vor der Blutentnahme und einer höheren Rate negativer Blutkulturen feststellen. In der Humanmedizin sind Infektionen mit multiresistenten Erregern mit einer höheren Mortalitätsrate verbunden. Dies konnte in der vorliegenden Untersuchung ebenso wie in vorherigen Studien beim Pferd nicht bestätigt werden. Zusammenfassend unterstreichen die Befunde dieser Studie die Wichtigkeit einer frühzeitigen Blutentnahme für das Anlegen einer Blutkultur einschließlich Resistenzbestimmung, um die Therapie gegebenenfalls rasch anpassen zu können. Unter Berücksichtigung der europäischen Rechtslage und der Resistenzprofile dieser Studie sehen die Autoren Tetrazykline und TMS als sinnvolle Mittel der ersten Wahl; Aminoglykoside kommen als zweite Option in Betracht.