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  • Autoren: Marcos-Serralta S, Drumond B, Dyson S, Gray A S (2026)
  • Journal: Equine Veterinary Education
  • Zusammenfassung: aa

Die osteochondrale Nekrose (ON) des medialen Femurkondylus (MFC) ist eine seltene Erkrankung des Kniegelenks bei Fohlen, bei der es zu einer lokalen Nekrose von Knochen- und Knochenmarksgewebe unterhalb des Gelenkknorpels kommt. In der Literatur werden für ihre Entstehung drei mögliche Ursachen diskutiert: eine entwicklungsbedingte Störung im Rahmen der Osteochondrose, eine bakterielle Besiedlung des unreifen Gelenkknorpelkomplexes im Rahmen einer septischen Erkrankung oder eine unzureichende Durchblutung des subchondralen Knochens ungeklärter Ursache. Aus der Humanmedizin ist bekannt, dass eine solche avaskuläre Knochennekrose entweder fokal durch ein Trauma bzw. Mikrotraumata oder als epiphysäre Nekrose bzw. Knocheninfarkt multifaktorieller Genese entstehen kann. Da die genaue Ätiologie und Pathogenese der ON des MFC beim Fohlen bislang nicht abschließend geklärt sind, verwenden die Autoren in dieser Studie bewusst den neutralen Begriff „ON“. Ziel dieser retrospektiven Fallserie aus einer Überweisungsklinik in Südafrika war es, das Krankheitsbild näher zu charakterisieren und zu prüfen, ob ein radiologisches Graduierungssystem eine prognostische Einschätzung erlaubt. Eingeschlossen wurden zwölf Vollblutfohlen, die zwischen 2020 und 2025 wegen einer Hinterhandlahmheit vorgestellt worden waren und bei denen eine ON des MFC diagnostiziert worden war. In die Auswertung aufgenommen wurden Signalement, Anamnese, klinische Symptome, hämatologische Ergebnisse, Analyse der Synovia, die Konzentration von Serum-Amyloid-A, radiologische und computertomografische Befunde, Therapie und Behandlungserfolg.

Acht der Fohlen waren Hengstfohlen und vier Stutfohlen; das mediane Alter bei Vorstellung betrug sechs Wochen (Spanne: drei bis zwölf Wochen). Sieben Tiere zeigten eine Lahmheit der linken und vier der rechten Hintergliedmaße; ein Fohlen war beidseits betroffen. Bei sechs Fohlen lagen vorberichtlich keine Erkrankungen vor, während die übrigen sechs zuvor an einem neonatalen Anpassungssyndrom (n = 1), einer Septikämie (n = 3) und/oder Durchfall (n = 2) erkrankt waren. Die geschätzte Prävalenz innerhalb der Vollblutpopulation der beteiligten Gestüte lag bei 0,30 % (12/3665). Zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung wiesen fünf Fohlen eine Lahmheit vom Grad 4/5 und fünf vom Grad 5/5 auf; ein beidseits betroffenes Tier wurde mit Grad 2/5 bewertet; für ein weiteres Fohlen lagen keine Angaben vor. Die hämatologischen Befunde lagen, soweit sie erhoben worden waren, überwiegend im Referenzbereich; bei einem Fohlen fand sich eine geringgradige Leukozytose. Die Analyse der Synovia des medialen Femorotibialgelenks ergab bei sieben Fohlen ein nichtseptisches, entzündliches Bild; bei keinem Tier bestanden Hinweise auf eine septische Arthritis des Kniegelenks. Die Serum-Amyloid-A-Konzentration eignete sich in dieser Untersuchung wegen der großen Streuung, gleichzeitig bestehender Erkrankungen und der geringen Fallzahl nicht als prognostischer Marker.

Auf den Röntgen- und computertomografischen Aufnahmen ließ sich bei neun der zwölf Fohlen ein osteochondraler Lappen oder ein Fragment nachweisen, der bzw. das durchweg kaudoabaxial lokalisiert war. Für die systematische Beurteilung wurde ein radiologisches Graduierungssystem mit den Graden 0 bis 4 entwickelt. Ein statistischer Zusammenhang zwischen dem radiologischen Grad und dem Überleben ließ sich jedoch nicht belegen; ebenso wenig erwiesen sich Behandlungsart, Fragmentnachweis, Weichteilschwellung, betroffene Gliedmaße oder Alter als prognostisch aussagekräftig. Als klinisch nützlich erwies sich das System dennoch für die Verlaufsbeurteilung, da es sowohl die Verschlechterung als auch die Rückbildung der Läsionen abbildete. Die Computertomografie kam bei zwei Fohlen zum Einsatz und vermag ossäre Veränderungen detaillierter abzubilden; für den klinischen Alltag bietet sich jedoch die Röntgenuntersuchung an, da sie ohne Allgemeinanästhesie auskommt, rasch durchführbar und breit verfügbar ist.

Vier Fohlen wurden arthroskopisch untersucht, wobei der geschädigte Gelenkknorpel teilweise débridiert wurde; bei allen verschlechterte sich die Lahmheit unmittelbar nach dem Eingriff, ohne sich im weiteren Verlauf zu bessern, sodass sie letztlich euthanasiert wurden. Fünf Fohlen wurden nach der Diagnosestellung unmittelbar euthanasiert. Insgesamt erfolgte bei acht Fohlen die Euthanasie infolge der ON des MFC; dies entsprach nach der Berechnung der Autoren einer fallbezogenen Letalität von 72,7 %. Drei Fohlen wurden hingegen konservativ mit Ruhe auf einer kleinen Koppel (9 × 9 m) und bedarfsweise verabreichten entzündungshemmenden Analgetika behandelt. Bei diesen besserten sich Lahmheit und radiologische Befunde über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten zunehmend, bis die Kontur des Kondylus glatt erschien und keine klinischen Auffälligkeiten mehr bestanden.

Von vier euthanasierten Fohlen wurde der betroffene distale Femur histopathologisch untersucht. Bei zwei Gliedmaßen überwogen entzündliche Veränderungen mit begleitender Osteomyelitis; bei zwei weiteren stand die Osteonekrose mit geringgradiger bis fehlender Knorpelbeteiligung im Vordergrund. Diese Befunde stützen die Annahme einer multifaktoriellen Genese, deren Ätiologie und Pathogenese weiterhin ungeklärt bleiben. Die drei überlebenden Fohlen blieben lahmheitsfrei und wurden als Jährlinge über den Auktionsmarkt veräußert; zwei befinden sich derzeit im Training; das dritte läuft erfolgreich im Rennsport. Damit belegt die Untersuchung erstmals, dass die Prognose der ON des MFC nicht in jedem Fall infaust ist. Eine sorgfältige Fallauswahl anhand des klinischen Bildes sowie die klinische und radiologische Verlaufskontrolle können helfen, jene Fohlen zu identifizieren, die für eine konservative Behandlung mit gutem Ausgang infrage kommen.