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  • Autoren: Watrobska N, Gough R, Singleton D, McGovern K (2026)
  • Journal: Equine Veterinary Education

Laktat ist die ionisierte Form der Milchsäure, und unter anaeroben Bedingungen wird Laktat vermehrt gebildet. Bei eingeschränkter Gewebeperfusion und Ischämie ist die anaerobe Glykolyse ausgeprägter. Nur ein kleiner Teil des Laktats wird als Energiequelle im Gewebe genutzt, der überwiegende Teil wird über die Leber und die Nieren metabolisiert. Erhöhte Laktatkonzentrationen in der Peritonealflüssigkeit beruhen zumeist auf ischämischen Veränderungen des Darms. Die erhöhten Konzentrationen von Laktat in der Peritonealflüssigkeit stehen in Zusammenhang mit strangulierenden Darmläsionen und sind negativ mit der Überlebensrate korreliert. Bei einer intestinalen Strangulation führt die proximale Darmdistension zu einem erhöhten Druck in der Darmwand, einem eingeschränkten Blutfluss und somit zu einer anaeroben Glykolyse. Des Weiteren erhöhen Schäden der Darmmukosa die Absorption von Endotoxinen, wodurch wiederum die Blutversorgung des Darms reduziert wird und die Laktatproduktion steigt. Das begründet, warum Laktatkonzentrationen als Indikator für strangulierende Läsionen genutzt werden. Da rassespezifische Unterschiede bei der peritonealen Laktatkonzentration nachgewiesen wurden – Median 2,8 mmol/l bei Ponys versus 1,6 mmol/l bei Pferden – und die Laktatkonzentration der Peritonealflüssigkeit bei Shetlandponys bisher nicht quantifiziert worden ist, war Ziel dieser Studie, die peritoneale Laktatkonzentration bei Shetlandponys mit Anzeichen von Kolik ohne strangulierende Läsion zu erfassen.

Für die retrospektive Untersuchung wurden die Krankenakten aller Shetlandponys ausgewertet, die zwischen 2009 und 2022 aufgrund von Koliksymptomen in einer britischen Überweisungsklinik vorgestellt worden waren. In die Auswertung aufgenommen wurden Parameter einschließlich Datum der Klinikeinweisung, Alter, Gewicht, Geschlecht, Blutlaktatkonzentration, peritoneale Laktatkonzentration, makroskopisches Erscheinungsbild der Peritonealflüssigkeit, Chirurgie erforderlich oder nicht, Befunde bei der Laparotomie, Überlebensrate, Gründe des Nichtüberlebens und postmortale Befunde. Im Studienzeitraum wurden 51 Shetlandponys aufgrund von Kolik behandelt. In die Auswertung flossen Daten von 23 Ponys mit 26 Kolikepisoden ein. Bei den chirurgisch versorgten Pferden waren die Kolikursachen Kolonobstipation (6), Magenobstipation (1) und Bezoar im Kolon (1). Die Peritoneallaktatkonzentration lag zwischen 1,0 und 20,0 mmol/l bei einem Median von 7,35 mmol/l. Ein signifikanter Unterschied zwischen operierten und nicht operierten Fällen bestand nicht. Die Blutlaktatkonzentration lag zwischen 0,8 und 11,2 mmol/l bei einem Median von 4,1 mmol/l. Das Verhältnis von Peritoneallaktat zu Blutlaktat variierte zwischen 0,63 und 4,64 bei einem Median von 1,93. Insgesamt wiesen 11 von 24 Fällen (45,8 %) ein Verhältnis von mehr als 2 auf.

Im Vergleich zu den Werten der Literatur lag der Median der Laktatkonzentration in der vorliegenden Studie bei 7,35 mmol/l im Vergleich zu 2,09 mmol/l bei nicht-strangulierenden Darmläsionen in einer zuvor durchgeführten Studie. Auch nicht strangulierende Darmläsionen können zu einem Anstieg der Laktatkonzentration führen, da Kolonobstipationen ebenfalls eine Kompression der Darmwand bedingen können und somit eine Beeinträchtigung der Durchblutung verursachen. Allerdings werden erhöhte Laktatkonzentrationen bei nicht strangulierenden Läsionen anderer Pferderassen üblicherweise nicht festgestellt. Eventuell ist die Darmwand bei Shetlandponys anfälliger für Kompression. Auch besteht die Möglichkeit, dass Shetlandponys schmerzresistenter sind und somit bis zur Diagnosestellung größere oder festere Obstipationen entstehen können. Eine weitere Erklärung wäre ein geringeres Verhältnis von Blutvolumen zu Gewebemasse und dadurch ein höherer basaler Laktatspiegel. Die hier vorgestellten Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Shetlandponys die Möglichkeit besteht, dass bei erhöhten peritonealen Laktatkonzentrationen auch eine nicht strangulierende Veränderung des Darms vorliegen kann.