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  • Autoren: Chan Z Y S, Ho W, Slobodova A, Parkes R S V, Forbes B, Pfau T (2026)
  • Journal: American Journal of Veterinary Research
  • Zusammenfassung: sl

Bei Rennpferden gibt es je nach Land Vorgaben, in welche Richtung die Rennen gelaufen werden. Während in Nordamerika die Rennen gegen den Uhrzeigersinn gelaufen werden, ist es in Hong Kong im Uhrzeigersinn. Diese dauerhaft gleichbleibende Trainings- und Rennrichtung führt dazu, dass Innen- und Außengliedmaße unterschiedlich belastet werden. Dies führt über einen längeren Zeitraum zu Adaptationen der Hufmorphologie und des Bewegungsmusters. Studien haben bereits gezeigt, dass auf der Kreisbahn unterschiedliche Kräfte auf die Innen- und Außengliedmaße wirken. Auf die Außengliedmaße wirken größere Vertikalkräfte im Vergleich zur inneren Gliedmaße. Da das Wachstum und die Form des Hufes durch mechanische Belastung beeinflusst werden, kann eine dauerhaft einseitige Beanspruchung zur Entwicklung unterschiedlich geformter Hufe beitragen.

Umgekehrt können bereits vorhandene Unterschiede der Hufform die Belastung der Gliedmaßen verändern und dadurch die Bewegung beeinflussen. Auch beim Traben auf gerader Strecke zeigen viele Rennpferde Bewegungsasymmetrien, die möglicherweise mit der einseitigen Trainings- respektive Rennrichtung zusammenhängen. Es wird vermutet, dass Bewegungsasymmetrien, Hufasymmetrien und die Rennrichtung miteinander zusammenhängen. Zum besseren Verständnis dieser Zusammenhänge sind weitere Studien erforderlich. Das Ziel der Untersuchung war, den Einfluss von Training und Rennen im Uhrzeigersinn auf die Hufmorphologie und die Bewegungssymmetrie zu überprüfen. Hierfür wurden die Hufbreiten von linker und rechter Vordergliedmaße sowie beider Hintergliedmaßen miteinander verglichen. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob die Seite des breiteren Hufes mit der Richtung der Bewegungsasymmetrie zusammenhängt. Für Pferde mit asymmetrischen Vorderhufen wurden Unterschiede der Bewegungsasymmetrie an Kopf und Widerrist erwartet, während bei asymmetrischen Hinterhufen Unterschiede der Beckenbewegung angenommen wurden.

Das Patientengut der deskriptiven Untersuchung umfasste 169 Vollblutrennpferde aus dem Hong Kong Jockey Club, die entweder am aktiven Renngeschäft teilnahmen oder kürzlich ihre Karriere beendet hatten. Alle Pferde waren klinisch gesund und hatten in den sechs Monaten vor der Datenerhebung keine Verletzungen oder Lahmheiten gezeigt. Sie waren zwischen drei und zehn Jahre alt und wurden überwiegend im Uhrzeigersinn trainiert und eingesetzt. Das übliche Trainingsprogramm bestand aus sechs Trainingstagen pro Woche sowie Rennstarts im Abstand von zwei bis drei Wochen. Die Hufe wurden vor der routinemäßigen Hufbearbeitung untersucht. Unterschiede der Hufkonformation wurden bewusst nicht vereinheitlicht, da die natürlich vorhandenen Hufasymmetrien untersucht werden sollten.

Alle Pferde wurden von derselben Hufschmiedeabteilung des Hong Kong Jockey Club betreut, wobei die individuelle Bearbeitung an die jeweiligen Hufe angepasst wurde. Sämtliche Pferde trugen Aluminiumbeschläge an allen vier Gliedmaßen, die in einem Intervall von 21 bis 30 Tagen erneuert wurden. Vor der schmiedetechnischen Versorgung erfolgte eine objektive Ganganalyse mit fünf Sensoren, die am Kopf, am Widerrist, am Becken und an den beiden Darmbeinhöckern befestigt wurden. Die Pferde wurden auf einer ebenen Asphaltfläche im Trab an der Hand vorgestellt. Von jedem Pferd wurden mindestens 20 Trabtritte aufgezeichnet. Die Sensoren zeichneten dreidimensionale Beschleunigungs- und Winkelgeschwindigkeitsdaten auf, aus denen später die vertikalen Bewegungen von Kopf, Widerrist und Becken berechnet wurden.

Zusätzlich wurden die Hufe nach Abnahme der Hufeisen mit einer mobilen EponaCam App fotografiert. Von jedem Pferd wurden vier Bilder angefertigt (je eines pro Huf). Die Bilder wurden anschließend mit einer speziellen Software ausgewertet. Dabei wurde die Längsachse des Strahls bestimmt und die Hufbreite an der breitesten Stelle senkrecht zur Strahlachse gemessen. Alle Messungen wurden überprüft, um ihre Genauigkeit sicherzustellen. Die Bewegungsdaten wurden mit speziell entwickelten MATLAB-Programmen verarbeitet. Für jeden Trabzyklus wurden verschiedene Parameter der Bewegungsasymmetrie berechnet. Für die statistische Auswertung wurden die Hufbreiten der linken und rechten Gliedmaßen miteinander verglichen. Anschließend wurden die Pferde anhand der Größe der Unterschiede zwischen den Hufen in Gruppen mit breiterem linken oder breiterem rechten Huf eingeteilt. Tiere mit nur geringen Unterschieden wurden von den weiteren Gruppenvergleichen ausgeschlossen.

Als Grenzwert für eine Hufasymmetrie wurde der Median der absoluten Links-Rechts-Hufbreitendifferenz aller 169 Pferde herangezogen, der bei 5,1 mm für die Vorderhufe beziehungsweise 4,2 mm für die Hinterhufe lag; auf dieser Basis wiesen jeweils 83 der 169 Pferde eine entsprechende Asymmetrie auf. Sie wurden in Abhängigkeit vom linken respektive dem rechten breiteren Huf in zwei Gruppen eingeteilt. Bei der Auswertung der Hufbreiten zeigte sich, dass sowohl an den Vorder- als auch an den Hintergliedmaßen signifikante Unterschiede zwischen linker und rechter Seite bestanden. Die rechten Vorderhufe waren mit einer mittleren Breite von 141,2 ± 8,0 mm signifikant breiter als die linken Vorderhufe mit 139,1 ± 8,5 mm. Ebenso waren die rechten Hinterhufe mit einer mittleren Breite von 134,3 ± 7,7 mm signifikant breiter als die linken Hinterhufe mit 132,5 ± 7,1 mm. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant.

Die meisten Pferde mit asymmetrischen Hufen entwickelten einen breiteren Huf auf der Innenseite (Vorderbein 70 %/Hinterbein 65 %). Die Asymmetrien in der Breite des Vorderhufs waren mit Höhendifferenzen des Kopfes und des Widerristes bei der Bewegungsanalyse verbunden. Hier war eine größere vertikale Verlagerung in der Stützphase des breiteren Hufs vorhanden. Die Asymmetrien am Hinterhuf waren zwar nicht mit Höhendifferenzen des Beckens, aber mit einer Höhendifferenz des Kopfes und teilweise des Widerristes assoziiert. Vorderhufasymmetrien stehen somit in Verbindung mit veränderten Bewegungsmustern oberer Körperteile. Für die Hinterhufe zeigte sich hingegen keine entsprechende Assoziation mit der benachbarten Körperregion, dem Becken.

Es wird davon ausgegangen, dass die Kopfbewegung in Verbindung mit der Hinterhufasymmetrie kompensatorisch auftritt. Die in dieser Studie beobachteten Asymmetriewerte lagen unterhalb der publizierten Grenzwerte für eine klinisch relevante Lahmheit. Die Studie hat verschiedene Einschränkungen: Zum einen ist nicht klar, ob die unterschiedlichen Hufbreiten durch die Bewegungsasymmetrien entstehen oder andersherum. Zudem fehlt in der Untersuchung eine Kontrollgruppe, und der Einfluss der Untergründe, der Hufbearbeitung und des Trainingsregimes könnte eine zusätzliche Rolle spielen. Ein besseres Verständnis dieser körperlichen Anpassungen kann Trainings- und Beschlagsregime beeinflussen. Es erleichtert die Interpretation von Bewegungsanalysen bei Rennpferden.