Das Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) umfasst Magenulzera der squamösen (Equine Squamous Gastric Disease, ESGD) sowie der glandulären Schleimhaut (Equine Glandular Gastric Disease, EGGD). In Abhängigkeit von den Methoden, den Graduierungssystemen und der Art des Pferdes sind Prävalenzen bis zu 90 % beschrieben. Eigentlich wird davon ausgegangen, dass Pferde im Training sowie Rennpferde häufiger EGUS entwickeln als Tiere, die auf der Weide gehalten werden und nicht im Training stehen. Doch zeigte eine vorherige Studie bei extensiv gehaltenen Islandpferden, dass die Prävalenz von ESGD bei 72 % und von EGGD bei 47 % lag. Die Aufstallung zum Trainingsbeginn und mehrere Mahlzeiten von Raufutter pro Tag erzielten eine signifikante Reduzierung der Prävalenz von ESGD innerhalb von 8 Wochen, allerdings keine Veränderung der Ausprägung von EGGD. Es ist unklar, ob saisonale Einflüsse – die Untersuchung erfolgte im Herbst/Winter – diese Prävalenz bedingten. In der vorliegenden Untersuchung sollten die Prävalenz und Risikofaktoren für EGUS bei Islandpferden, welche permanent draußen gehalten wurden, erfasst werden. Berücksichtigt wurden die Einflüsse von Jahreszeit, Wetterbedingungen und anderen Umweltfaktoren. In die Studie wurden 80 Islandpferde im Alter von 3 bis 26 Jahren aus 4 Betrieben in Nord-, West- und Südisland aufgenommen. Die Pferde wurden im Mai (n = 80 Tiere), August (n = 70), November 2022 (n = 66) sowie im Februar 2023 (n = 63) gastroskopiert. Vor Beginn der Studie waren die Pferde über mindestens 3 Monate ausschließlich auf der Weide gehalten worden.
Erfasst wurden zahlreiche potenzielle Einflussgrößen, darunter Alter, Geschlecht, Body-Condition-Score (BCS), geschätztes Gewicht, Nackenfettkamm-Score, Weideangebot einschließlich Höhe des Grases, zur Verfügung stehende Fläche und Herdengröße, Zufütterung von Raufutter, Fastenmanagement, also kein Zugang zur Weide, Trainingsintensität, Herdenstruktur, Verhaltensparameter, Wetterbedingungen sowie Zahnstatus. ESGD wurde auf einer Skala von 0 bis 4 bewertet, wobei Werte ≥ 2 als klinisch relevante und Werte ≥ 3 als hochgradige Läsionen eingestuft wurden. EGGD wurde auf einer Skala von 0 bis 2 beurteilt, wobei bereits Läsionen ab Grad 1 als klinisch relevant galten. Insgesamt standen Ergebnisse von 279 Gastroskopien von 80 Pferden für die statistische Auswertung zur Verfügung. Die Prävalenz klinisch relevanter ESGD-Läsionen lag im Jahresverlauf zwischen 47,6 % und 72,5 %. Die höchste Prävalenz wurde im Mai mit 72,5 % festgestellt, gefolgt von November mit 63,6 %, August mit 57,1 % und Februar mit 47,6 %. Hochgradige ESGD-Läsionen (Grad 3–4) wurden bei 25,4–37,9 % der Pferde festgestellt. Risikofaktoren für ESGD-Läsionen waren die Region (Südisland), das gleichzeitige Auftreten von EGGD, die Herdengröße sowie die Verfügbarkeit von Gras und Raufutter. Im Hinblick auf die Herdengröße erhöhte sich das Risiko mit jeder Zunahme der Herdengröße um 10 Pferde. Eine restriktive Fütterung war ebenfalls mit einem höheren Risiko verbunden, ebenso eine mittlere Grasverfügbarkeit bei fehlender zusätzlicher Raufutterbereitstellung.
Risikofaktoren für hochgradige ESGD-Veränderungen waren ebenfalls die Region Südisland, die Gras- und Raufutterverfügbarkeit, die Herdengröße und zusätzlich der Body-Condition-Score, insofern als adipöse Pferde mit einem BCS von 7–9 ein höheres Risiko aufwiesen als Pferde mit einem BCS von 6. Es besteht die Möglichkeit, dass adipöse Pferde häufiger fasten mussten oder restriktiv gefüttert wurden. Dies ist ein Risikofaktor für ESGD und könnte der Erklärungsansatz sein, warum adipöse Pferde eher ESGD-Läsionen stärkerer Ausprägung entwickelten. Für klinisch relevante EGGD-Läsionen wurde unabhängig vom Untersuchungszeitpunkt eine Prävalenz von 47 % festgestellt. Das Alter war ein Risikofaktor für die Entwicklung klinisch signifikanter EGGD-Veränderungen, insofern als Pferde im Alter zwischen 15 und 26 Jahren ein höheres Risiko aufwiesen als 3- bis 4-jährige Pferde. Das Risiko stieg ebenfalls, wenn gleichzeitig ESGD-Läsionen vorlagen. Im Hinblick auf EGGD war die Verfügbarkeit von Gras und Raufutter ebenfalls ein Risikofaktor. Allerdings war ein hohes Grasangebot mit einem erhöhten EGGD-Risiko verbunden. Den Ergebnissen dieser Studie entsprechend weisen Pferde in Island mit ganzjähriger extensiver Weidehaltung ebenfalls Magenschleimhautläsionen auf. Die ESGD-Prävalenz lag zum Teil bei 72 %. Im Hinblick auf die hohe Prävalenz im Mai muss bedacht werden, dass in Island der Mai typischerweise das Ende des Winters darstellt, das Frühjahrs- und Sommergraswachstum jedoch noch nicht begonnen hat. Er steht also am Ende einer langen Periode harter klimatischer Bedingungen, und dies könnte erklären, dass zu diesem Zeitpunkt die höchste Prävalenz beider Formen von Magenulzera vorlag.
