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  • Autoren: Kuhlmann J, Van der Vekens E, Koch C, Klopfenstein Bregger M D, de Preux M, Brünisholz H P (2026)
  • Journal: Equine Veterinary Education
  • Zusammenfassung: ls

Die Temporohyoid-Osteoarthropathie (THO) ist eine gut beschriebene Erkrankung des Pferdes, die durch eine fortschreitende knöcherne Proliferation und Ankylosierung des Temporohyoidgelenks gekennzeichnet ist. Die Verknöcherung dieses Gelenks kann zu Frakturen des Felsenbeins oder des Stylohyoids führen und ist mit einer akuten Schädigung des Nervus facialis und/oder des Nervus vestibulocochlearis verbunden. Als mögliche Ursachen werden degenerative, traumatische und infektiöse Prozesse diskutiert. Die zugrunde liegende Ätiologie der Erkrankung ist jedoch weiterhin ungeklärt. Im Vergleich zu einer konservativen Behandlung, die vor allem Entzündungen und mögliche Infektionen adressiert, wurden für chirurgische Verfahren günstigere Behandlungsergebnisse beschrieben.

Ziel aller chirurgischen Verfahren ist die dauerhafte Entlastung des Temporohyoidgelenks durch Unterbrechung der mechanischen Kraftübertragung über den Zungenbeinapparat der betroffenen Seite. Die zunächst beschriebene partielle Stylohyoidektomie (PSE) war mit Komplikationen wie Blutungen sowie iatrogenen Nervenschädigungen verbunden. Darüber hinaus wurden langfristig ein Nachwachsen und eine erneute Verknöcherung des Stylohyoids mit Wiederauftreten klinischer Symptome beschrieben. Aus diesem Grund entwickelte sich die Ceratohyoidektomie (CE) zum bevorzugten chirurgischen Verfahren. In jüngerer Zeit wurden außerdem verschiedene Modifikationen, darunter die Ceratohyoidektomie im Stehen, die Disartikulation des Basihyoid-Ceratohyoid-Gelenks (BCD) sowie die partielle Ceratohyoidektomie (PCE), bei sedierten stehenden Pferden beschrieben.

Diese Verfahren vermeiden die Risiken einer Allgemeinanästhesie bei potenziell ataktischen Patienten und erfordern im Vergleich zur PSE eine weniger ausgedehnte Präparation, wodurch das Risiko iatrogener neurovaskulärer Schäden reduziert wird. Die bisher veröffentlichten Studien zu CE, BCD und PCE im Stehen umfassen lediglich kleine Fallserien mit begrenzten Informationen zu den Langzeitergebnissen. Ein Wiederauftreten THO-bedingter klinischer Symptome nach diesen chirurgischen Verfahren wurde bislang nicht beschrieben. Der vorliegende Fallbericht beschreibt eine Pseudoankylose des Basihyoid-Ceratohyoid-Gelenks als Folge einer partiellen Ceratohyoidektomie, die sieben Monate nach dem Eingriff zusammen mit einem Wiederauftreten und einer Progression der klinischen Symptome einer THO beobachtet wurde.

Eine 17-jährige Schweizer Warmblutstute wurde aufgrund einer akut aufgetretenen linksseitigen Fazialisparese vorgestellt. Klinisch zeigten sich eine eingeschränkte Lippenmotorik mit Problemen bei der Aufnahme von Futter und Wasser, ein oberflächliches Hornhautulkus am linken Auge, ein fehlender linker Kornealreflex, ein herabhängendes linkes Ohr sowie ausgeprägter Speichelfluss. Die Endoskopie der Luftsäcke ergab die Diagnose einer linksseitigen Temporohyoid-Osteoarthropathie (THO). Einen Tag vor der Operation erhielt die Stute Flunixin-Meglumin, welches in den folgenden Tagen durch Meloxicam ersetzt wurde, sowie Dexamethason, dessen Dosis über die nachfolgenden Tage stufenweise reduziert wurde. Zusätzlich erhielt die Stute über sechs Tage eine intravenöse Flüssigkeitstherapie bis zur Normalisierung der Wasseraufnahme. Das Hornhautulkus wurde lokal mit Tobramycin-Augentropfen und einer Vitamin-A-Augensalbe behandelt.

24 Stunden nach der Aufnahme erfolgte in Sedation eine linksseitige partielle Ceratohyoidektomie (PCE) im Stehen. Über einen etwa 5 cm langen Zugang in der Intermandibularregion wurde das Basihyoid-Ceratohyoid-Gelenk freipräpariert, disartikuliert sowie der Gelenkknorpel und etwa 0,5 cm des rostralen Ceratohyoids reseziert. Die Inzision wurde zur sekundären Wundheilung offen belassen. Im Anschluss wurde in derselben Sedation eine temporäre partielle Tarsorrhaphie zum Schutz des linken Auges durchgeführt. Perioperativ erhielt die Stute Benzylpenicillin und Gentamicin, anschließend über sechs Tage Trimethoprim-Sulfadimidin. Vierzehn Tage nach der partiellen Ceratohyoidektomie wurde die Stute aus der Klinik entlassen. Die linksseitigen Fazialisdefizite bestanden weiterhin, hatten sich jedoch gebessert. Bereits wenige Tage nach der Operation konnte das Pferd trotz eingeschränkter Lippenmotorik wieder Heu aufnehmen und aus einem Eimer trinken. Das Hornhautulkus verschlechterte sich trotz intensiver lokaler Behandlung, sodass sieben Wochen nach der ersten Operation in Sedation eine transpalpebrale Enukleation des linken Auges durchgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war keine weitere Verbesserung der Fazialisparese festzustellen.

Sieben Monate nach der Operation wurde die Stute eine Woche nach einer routinemäßigen Zahnbehandlung aufgrund einer akuten Verschlechterung der klinischen Symptomatik erneut vorgestellt. Es bestanden erneut Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme, ausgeprägter Speichelfluss sowie eine Ataxie Grad 4/5 nach der modifizierten Mayhew-Skala. Nach einmaliger intravenöser Gabe von Dexamethason besserte sich die Ataxie innerhalb weniger Stunden auf Grad 2/5. Eine Cone-Beam-Computertomographie des Zungenbeinapparates zeigte eine ausgeprägte Verdickung des linken Stylohyoids mit einer chronischen Querfraktur im proximalen Bereich. Zudem wies das zuvor disartikulierte Basihyoid-Ceratohyoid-Gelenk eine deutlich unregelmäßige Kontur, eine geringgradige dorsomediale Verlagerung des Ceratohyoids sowie eine an der engsten Stelle weniger als 1 mm breite knöcherne Lücke mit gering- bis mittelgradiger, klar begrenzter, nicht überbrückender Knochenneubildung an den Rändern des ehemaligen Gelenkspalts.

Aufgrund des Verdachts auf eine Pseudoankylose des Basihyoid-Ceratohyoid-Gelenks wurde anschließend unter Allgemeinanästhesie eine Ceratohyoidektomie durchgeführt. Intraoperativ bestätigten ausgeprägte fibrotische Veränderungen und Knochenneubildungen im Bereich des zuvor disartikulierten Gelenks die Diagnose einer Pseudoankylose. Nach Entfernung des Kallus und Lösung der fibrösen Verbindung zwischen Basihyoid und Ceratohyoid konnte das verbliebene Ceratohyoid reseziert werden. Aufgrund eines während des ersten Klinikaufenthaltes vorübergehend erhöhten Serumkreatininwertes wurde perioperativ Trimethoprim-Sulfadimidin anstelle des klinikinternen Standardschemas mit Penicillin und Gentamicin verabreicht. Zusätzlich erhielt die Stute einmalig Flunixin-Meglumin sowie für drei Tage Paracetamol. Zwei Tage nach der zweiten Operation wurde die Stute mit einer geringgradigen Ataxie (Grad 1/5) und weiterhin bestehenden Fazialisdefiziten aus der Klinik entlassen. Die Schwierigkeiten bei der Futteraufnahme hatten sich zu diesem Zeitpunkt vollständig zurückgebildet. Acht Monate nach der zweiten Operation berichtete der Besitzer über eine weitere Besserung der Fazialisdefizite mit sistiertem Speichelfluss, verbesserter Ohrbeweglichkeit sowie einer Gewichtszunahme.