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  • Autoren: van Erck-Westergren E, O’Connor S, Stewart B D, Dubois G, Morton J, Hinchcliff K W, ter Woort F (2026)
  • Journal: Journal of Veterinary Internal Medicine
  • Zusammenfassung: sg

Herzrhythmusstörungen gehören zu den häufigsten kardiovaskulären Befunden bei Sportpferden und treten insbesondere während intensiver körperlicher Belastung auf. Während isolierte Extrasystolen als klinisch wenig bedeutsam angesehen werden, können komplexe ventrikuläre Arrhythmien und Vorhofflimmern sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Sicherheit von Pferd und Reiter erheblich beeinträchtigen und werden als potenzielle Ursache des belastungsassoziierten plötzlichen Herztodes (Exercise-Associated Sudden Cardiac Death, EASCD) diskutiert. Da Todesfälle von Rennpferden während Training und Wettkampf zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, besteht ein wachsendes Interesse daran, kardiovaskuläre Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Darüber hinaus stellen unerklärliche Leistungseinbrüche bei klinisch unauffälligen Rennpferden ein bedeutendes Problem in der Sportmedizin dar, wobei belastungsinduzierte Herzrhythmusstörungen als mögliche Ursache vermutet werden.

Bisher fehlten jedoch groß angelegte Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen während intensiver Belastung auftretenden Arrhythmien und der späteren Rennleistung systematisch analysierten. Fortschritte in der tragbaren EKG-Technologie ermöglichen inzwischen eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige Herzrhythmusüberwachung während hochintensiver Trainingsbelastungen unter Praxisbedingungen. Ziel der vorliegenden Studie war deshalb, die Häufigkeit und Art belastungsassoziierter Herzrhythmusstörungen bei Vollblut-Rennpferden zu erfassen, ihre Verteilung während verschiedener Belastungsphasen zu beschreiben und ihren prognostischen Wert für die nachfolgende Rennleistung zu untersuchen. Zusätzlich sollte analysiert werden, ob Arrhythmien innerhalb einzelner Pferde wiederholt auftreten und ob Zusammenhänge zwischen verschiedenen Belastungsereignissen bestehen.

Hierzu wurde eine risikobasierte Fall-Kontroll-Studie mit Vollblut-Rennpferden des Hong Kong Jockey Club durchgeführt. Eingeschlossen wurden ausschließlich Pferde eines Trainers, der routinemäßig tragbare Equimetre-Systeme zur Aufzeichnung von Herzfrequenz, Geschwindigkeit, Bewegungsparametern und Einkanal-EKG während intensiver Trainingsgalopps und Barrieretrials einsetzte. Insgesamt wurden Rennstarts berücksichtigt, bei denen die Pferde entweder unter den ersten drei oder unter den letzten drei Plätzen ins Ziel kamen. Die jeweils letzte EKG-Aufzeichnung vor dem entsprechenden Rennen wurde ausgewertet. Die Belastung wurde in vier Phasen unterteilt (Aufwärmen, maximale Belastung, schnelle Erholung und langsame Erholung). Zwei verblindete Untersucher klassifizierten sämtliche ektopischen Depolarisationen hinsichtlich Anzahl, Morphologie und Auftretenszeitpunkt. Anschließend wurden die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Arrhythmieparametern und der späteren Rennleistung statistisch analysiert.

Es standen Daten von 71 Vollblut-Rennpferden, 224 Rennstarts (82 mit schlechter und 142 mit guter Leistung) sowie insgesamt 405 auswertbaren EKG-Aufzeichnungen zur Verfügung. Durchschnittlich lagen vor jedem Rennen 1,8 EKGs vor, wobei 89 % während regulärer Trainingsgalopps und 11 % während Barrieretrials aufgezeichnet wurden. Herzrhythmusstörungen traten während intensiver Belastung ausgesprochen häufig auf. Insgesamt wiesen 73 % der EKGs vor guten Rennleistungen und 81 % der EKGs vor schlechten Rennleistungen mindestens eine Arrhythmie auf. Fast jedes untersuchte Pferd entwickelte während mindestens eines Belastungsereignisses ektopische Depolarisationen während der maximalen Belastung. Drei oder mehr Extrasystolen wurden bei 41 % der EKGs vor guten und bei 50 % der EKGs vor schlechten Rennleistungen nachgewiesen.

Arrhythmien traten am häufigsten während der maximalen Belastungsphase auf: 57 % der EKGs in der Gruppe mit guter und 70 % der EKGs in der Gruppe mit schlechter Rennleistung zeigten in dieser Phase arrhythmische Ereignisse. Mindestens eine Extrasystole pro Pferd-Minute wurde bei 60 % der EKGs vor guten beziehungsweise 70 % der EKGs vor schlechten Rennleistungen beobachtet; mindestens drei Extrasystolen pro Pferd-Minute bei 10 % beziehungsweise 16 %.

Triplets, Quadruplets und paroxysmales Vorhofflimmern waren insgesamt selten, traten jedoch häufiger vor schlechten Rennleistungen auf. Zwischen den Arrhythmien während maximaler Belastung und denen während Aufwärmen oder Erholung bestand praktisch keine Korrelation. Mit jeder zusätzlichen ektopischen Depolarisation während der maximalen Belastung stieg die Wahrscheinlichkeit einer schlechten Rennleistung um 15 % (OR 1,15). Bereits das Auftreten mindestens einer Extrasystole war mit einer nahezu doppelt so hohen Wahrscheinlichkeit einer schlechten Rennleistung verbunden (OR 1,81).

Es stellte sich heraus, dass die Arrhythmielast und insbesondere komplexe Arrhythmien offenbar klinisch bedeutsamer sind als bislang angenommen. Als mögliche Ursachen werden trainingsbedingtes kardiales Remodeling, Myokardhypoxie, Veränderungen des autonomen Nervensystems sowie weitere physiologische Anpassungen intensiver Belastung diskutiert. Gleichzeitig weisen die Autoren auf Limitationen der Studie hin, darunter die Verwendung eines Einkanal-EKGs, das Fehlen klinischer Begleitdaten und die Untersuchung von Pferden aus nur einem Trainingsstall. Die Autoren schlussfolgern, dass belastungsassoziierte Herzrhythmusstörungen bei Vollblut-Rennpferden häufig auftreten und eng mit einer verminderten Rennleistung assoziiert sind. Die Anzahl und Komplexität ektopischer Depolarisationen während maximaler Belastung besitzen einen prognostischen Wert. Tragbare EKG-Systeme könnten künftig eine wichtige Rolle bei der Früherkennung gefährdeter Pferde, der Optimierung des Trainings sowie der Verbesserung von Gesundheit, Tierwohl und sportlicher Leistungsfähigkeit spielen.