Aurale Plaques treten in Brasilien bei 14,8 bis 41 % der Pferde auf. Es handelt sich um kleine, erhabene, depigmentierte Papeln auf der Innenfläche des Ohres, die mit einem Papillomvirus assoziiert sind. In der Regel entwickeln sich aus diesen Veränderungen 1 bis 3 cm im Durchmesser große, weiße, hyperkeratotische Plaques. Es können beide Ohren betroffen sein, und es können einzelne Läsionen vorhanden sein oder mehrere, die zusammenfließen. Die klinische Symptomatik reicht von asymptomatischen Verläufen bis zu Kopfscheue und Sensitivität beim Berühren der Ohren. Somit ist eine effiziente und sichere Behandlung von Bedeutung.
Unterschiedliche Typen der equinen Papillomviren (EPV) sind mit auralen Plaques assoziiert. Es wird davon ausgegangen, dass das Virus sowohl durch direkten als auch indirekten Kontakt übertragen wird, wobei stechende Insekten und eine Hautschädigung für eine Infektion notwendig sind. Im Gegensatz zur viralen Papillomatose des Jungpferdes, die vor allem als Warzenbildung am Maul auftritt, kommt es bei auralen Plaques in der Regel nicht zur spontanen Regression. Es existieren unterschiedliche Therapieoptionen, von denen einzig die Behandlung mit Imiquimod konsistent wirksam ist. Allerdings entwickeln die behandelten Tiere eine hochgradige Entzündung, Erosionen, Ulzerationen, Krusten und Schmerzen, und die meisten Pferde müssen für jedes Auftragen der Salbe sediert werden. In der vorliegenden Veröffentlichung wird eine Behandlung mit einer Lösung aus Salpetersäure, Kaliumnitrat, Zinknitrat und Bindemittel (Oxalic®) oder einer Lösung aus Salpetersäure, Zink, Kupfer und den organischen Säuren Essigsäure, Oxalsäure und Milchsäure (Verrutop®) beschrieben. Diese Lösungen werden unter anderem zur Behandlung von Warzen bei Kleintieren bzw. Menschen eingesetzt.
Für diese Veröffentlichung wurden medizinische Daten von Pferden aus den Jahren 2012 bis 2022 ausgewertet. Die Tiere wiesen die typischen Läsionen auf der Innenfläche der Ohrmuschel auf, unilateral oder bilateral, und waren mit den genannten Lösungen behandelt worden. Die Therapie erfolgte unter Sedation, und zum Schutz des Gehörgangs und des Trommelfells wurde das Ohr mit Watte austamponiert. Vor dem Auftragen der Salpetersäure-Zink-Komplexlösung wurde das Haar auf der Innenseite der Ohrmuschel geschoren und die Haut mit Alkohol gereinigt. Mit einer 2-ml-Spritze wurde die Lösung appliziert, bis alle Läsionen bedeckt waren; im Mittel wurden 0,3 ml Lösung pro cm² eingesetzt. Wenn es nötig war, erfolgte die Therapie in einem zweiwöchigen Abstand. Eine Nachuntersuchung der Pferde (n = 4) in einer Klinik oder die telefonische Befragung der Besitzer (n = 8) erfolgte mindestens ein Jahr nach der letzten Behandlung.
Es konnten Daten von zwölf Pferden (3 bis 15 Jahre alt) und insgesamt 20 behandelten Ohren ausgewertet werden. Alle Besitzer beschrieben deutliche klinische Symptome, darunter Kopfscheue, Berührungsempfindlichkeit der Ohren und Schwierigkeiten beim Zäumen oder Anlegen des Halfters. Insgesamt wurden je zehn Ohren mit Oxalic® beziehungsweise Verrutop® behandelt; ab 2020 wurde ausschließlich Verrutop® eingesetzt, das Oxalic® zu diesem Zeitpunkt ablöste. Die Anzahl der Behandlungen pro Ohr variierte zwischen 1 und 5 (Median 3). Die Behandlungsdauer lag zwischen 2 und 21 Wochen (Median 3,5 Wochen). Eine vollständige Remission wurde bei 85 % der Ohren beobachtet. Bei den verbleibenden 15 % waren die Läsionen deutlich geringer ausgeprägt als vor der Behandlung, zudem zeigte sich eine klinische Besserung. Im Nachbeobachtungszeitraum von 12 bis 28 Monaten zeigte nur ein Pferd ein Rezidiv. Von den zwei Pferden (drei Ohren), bei welchen die Läsionen nicht vollständig verschwunden waren, wies eines drei Jahre nach der Therapie erneut klinische Symptome auf.
Insgesamt war das Behandlungsprotokoll mit der Salpetersäure-Zink-Komplexlösung erfolgreich, bei 50 % der Ohren genügte eine einmalige Behandlung. Keines der behandelten Pferde zeigte Nebenwirkungen, und die Lösungen lösten keine erkennbare Entzündung aus. Im Laufe der Behandlungsdauer sank die Berührungsempfindlichkeit der Ohren. Es ist damit sicher, effektiv und weniger schmerzhaft als die Behandlung mit Imiquimod.
