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  • Autoren: Maleas G, Hargitaiova K (2026)
  • Journal: Veterinary Surgery
  • Zusammenfassung: pp

Der Fesselträger stabilisiert das Tarsometatarsal- und das Fesselgelenk in der Schubphase. Eine Desmopathie des proximalen Fesselträgers resultiert aus wiederholter Überdehnung durch hartes Training oder bei Pferden mit Konformationsmängeln. So entstehen fibrilläre Läsionen und in der Folge eventuell eine fibro-ossäre Enthesiopathie. Eine zunehmend chronische Verdickung des Fesselträgers führt zu einer Art Kompartmentsyndrom innerhalb der den Fesselträger umgebenden tiefen Plantarfaszie. In fortgeschrittenen Stadien sind konservative Behandlungsmaßnahmen wie Boxenruhe, extrakorporale Stoßwellentherapie oder intraläsionale Injektionen mit entzündungshemmenden oder regenerativen Substanzen wenig hilfreich.

Erfolgversprechender ist dann eine chirurgische Dekompression durch eine Plantarfasziotomie, zuweilen in Kombination mit einer Neurektomie des Ramus profundus des N. plantaris lateralis. Bei einer Fasziotomie kann es zu Verletzungen des Fesselträgers kommen, welche möglicherweise bei sonographisch gestützter Vorgehensweise weniger deutlich ausgeprägt sind. Zudem kann bei letzterer Vorgehensweise auf eine chirurgische Freilegung des Operationsgebietes verzichtet werden. Zur Verifizierung dieser Annahme sollten in der vorliegenden Studie beide Methoden an Pferdekadavern experimentell verglichen werden.

Die Versuche wurden an 20 Hinterbeinen von 10 Pferden durchgeführt. Pro Pferd wurde ein Hinterbein offen, das kontralaterale sonographisch gestützt operiert (randomisiert). Bei der offenen Fasziotomie (OF) legte man einen proximodistalen und 5–6 cm langen Hautschnitt zwischen dem lateralen Griffelbein und dem Lateralrand der oberflächlichen Beugesehne an, durchtrennte die oberflächliche Plantarfaszie und setzte Gelpi-Retraktoren zur Darstellung der tiefen Plantarfaszie ein. Letztere wurde mit der Metzenbaumschere entlang der Längsachse des Fesselträgers und entlang der Kontur des lateralen Griffelbeins von proximal nach distal eingeschnitten. Anschließend wurden die tiefe Plantarfaszie und der proximale Fesselträger aus den Kadaverbeinen herausgeschnitten, um nach iatrogenen Fesselträgerschäden zu suchen.

An den übrigen 10 Hinterbeinen erfolgte eine sonographisch gestützte Fasziotomie (SOF). Hierzu stellte man den Fesselträger in transversaler plantaromedialer Anschallung sonographisch dar. Die Grenzen des chirurgischen Fensters waren der Lateralrand der oberflächlichen Beugesehne und die Plantarfläche des lateralen Griffelbeins. Etwa 1 cm distal des lateralen Griffelbeinköpfchens wurde die Plantarfaszie mit einer Skalpellklinge Nr. 11 parallel zum Fesselträger von proximal nach distal und nochmals in umgekehrter Richtung inzidiert. Ein weiterer Hauteinstich erfolgte 2 cm distal des ersten, um das Inzisionsmanöver nochmals zu wiederholen und die gewünschte Inzisionslänge zu erreichen. Anschließend wurden die tiefe Plantarfaszie und der Fesselträger wiederum herauspräpariert und auf ungewollte iatrogene Fesselträgereinschnitte überprüft. Bei allen Präparaten wurden die Schnittlängen in der Haut und in der tiefen Plantarfaszie ausgemessen und der R. profundus des N. plantaris lateralis makroskopisch auf Schnittverletzungen untersucht.

Die Länge des Hautschnitts bei der OF betrug im Mittel 5 cm, die Länge der beiden Hautschnitte bei der SOF zusammen im Mittel 1,3 cm. Die Länge des Faszienschnitts bei der OF betrug im Mittel 5,5 cm gegenüber 4,4 cm bei der SOF. Bei der digitalen Exploration der Präparate stellte man fest, dass in allen Fällen subjektiv eine ausreichende Dekompression des Fesselträger-Kompartments gegeben war. In allen Präparaten zeigte sich der tiefe Ast des N. plantaris lateralis intakt. Dagegen fanden sich in allen Präparaten Faseraufsplitterungen im Fesselträger. Die Länge der Faseraufsplitterungen korrelierte sehr eng mit der Schnittlänge der Fasziotomie bei beiden Schnittmethoden gleichermaßen. Bei der SOF fiel gegenüber der OF die Hautschnittlänge um 74 %, der Faszienschnitt um 21 % und der ungewollte Einschnitt in den Fesselträger um 18 % signifikant kürzer aus.

Es zeigte sich in allen Präparaten bei beiden Methoden, dass der Faszienschnitt sich unweigerlich in den Fesselträger fortsetzte. Die Schnittlänge fiel bei der sonographisch gestützten Fasziotomie kürzer aus. Die Relevanz dieses Ergebnisses war nicht einzuordnen, da es keine objektiven Daten zur minimal erforderlichen Schnittlänge gibt. Ein minimalinvasiver Eingriff birgt allerdings ein geringeres Risiko für Wundheilungsstörungen. Da Mikroverletzungen des medialen Kollateralbandes am Knie in früheren Studien eine Fibroblastenaktivierung, Kollagensynthese und möglicherweise Neovaskularisierung auslösten, könnten die unbeabsichtigten Inzisionen in den Fesselträger in Kombination mit der Dekompression die Heilung einer akuten Desmopathie unterstützen. Bei einer chronischen Desmopathie des Fesselträgers ohne klar definierte Läsionen im Band ist eine positive Wirkung einer intraligamentösen Faseraufsplitterung fraglich. Die Autoren empfehlen, Inzisionen in den Fesselträger, insbesondere in intakte Bereiche, möglichst zu vermeiden. Limitationen der vorliegenden Studie sind ihr experimenteller Charakter, die Untersuchung von gesunden Fesselträgern und fehlende postoperative Daten über den Heilungsverlauf und über Langzeitergebnisse. Es blieb ebenfalls offen, welche Gewebeeffekte andere Instrumente wie ein Fasziotom haben.