Plasma-L-Laktat ist ein prognostischer Marker für Schweregrad und Mortalität bei akuten gastrointestinalen Erkrankungen beim Pferd. Studien beim Menschen konnten zeigen, dass die Laktatkonzentration durch Übergewicht und metabolisches Syndrom bzw. Insulinresistenz steigt. Zellkulturstudien mit Adipozyten von Ratten und Menschen deuten darauf hin, dass Fettzellen übergewichtiger Individuen einen erheblich größeren Teil der aufgenommenen Glukose zu Laktat verstoffwechseln als Fettzellen Normalgewichtiger (etwa 40 % gegenüber 5–15 %). Auch beim Pferd ist Übergewicht ein zunehmendes Problem. Es wird angenommen, dass etwa 25 % der Pferdepopulation und ein noch größerer Anteil der Ponys übergewichtig sind. Ziel dieser Studie war es daher, den Einfluss von Übergewicht und Zugehörigkeit zu Ponyrassen auf die Laktat-Konzentration bei gastrointestinalen Erkrankungen zu untersuchen. Es wurde angenommen, dass beide Faktoren mit erhöhten Plasma-Laktat-Konzentrationen einhergehen würden.
In die Untersuchung eingeschlossen wurden Equiden mit einem Alter ≥ 1 Jahr, die aufgrund von Kolik an der Großtierklinik der Universität Kopenhagen vorgestellt wurden. Alle Tiere wurden bei Aufnahme einer klinischen Untersuchung unterzogen. Die Laktat-Konzentration (mmol/l) wurde aus venösem Blut mittels Blutgasanalyse ermittelt. Der Body Condition Score (1 bis 9) der Tiere wurde erfasst und die Tiere wurden als Pferd (> 148 cm) oder Pony (≤ 148 cm) eingestuft. Zudem wurden Alter, Geschlecht und Rasse aufgenommen. Darüber hinaus wurden die Dauer der Kolik vor Klinikeinweisung, Informationen zu Kreislaufbeeinträchtigungen sowie Art der intestinalen Läsion (nicht strangulierende Läsion, strangulierende Obstruktion, infektiöse/entzündliche Erkrankung) erfasst.
Insgesamt wurden 190 Tiere mit einem medianen Alter von 10,9 Jahren in die Studie eingeschlossen. Darunter waren 116 (61 %) Pferde und 74 (39 %) Ponys. Es waren 92 (48,4 %) Wallache, 87 (45,7 %) Stuten und 9 (4,7 %) Hengste. Bei 2 Tieren (1 %) wurde kein Geschlecht erfasst. Von den 190 Tieren waren 52 (27,3 %) übergewichtig. Dabei waren signifikant mehr Ponys (33/74; 44,6 %) als Pferde (19/116; 16,4 %) von Übergewicht betroffen. Ponys wiesen zudem häufiger schwerwiegende gastrointestinale Läsionen auf als Pferde (30/74; 40,5 % vs. 23/116; 20 %). Im Rahmen der Kolik zeigten übergewichtige Ponys signifikant höhere Laktatwerte als normal- oder übergewichtige Pferde. Insgesamt waren die Laktatwerte bei übergewichtigen Tieren signifikant höher als bei schlanken, bei Ponys höher als bei Pferden, bei schwerwiegenden Läsionen höher als bei einfachen Verstopfungen und bei Tieren mit Kreislaufbeeinträchtigung höher als bei solchen ohne.
Diese Studie konnte zeigen, dass übergewichtige Ponys im Rahmen von Kolikerkrankungen höhere Laktatwerte aufweisen als normalgewichtige Ponys und Pferde. Darüber hinaus zeigten sich sowohl die Zugehörigkeit zu Ponyrassen als auch das Vorliegen von Kreislaufproblemen als Faktoren, die zu höheren Laktatwerten führten. Verglich man übergewichtige Ponys mit schlanken Pferden, unterschieden sich die Werte bei gleicher Art der Läsion und gleichem Kreislaufstatus deutlich (5,8 vs. 1,11 mmol/l). Diese deutliche Abweichung zeigt, dass der Phänotyp des Patienten bei Entscheidungen im Rahmen der Kolik berücksichtigt werden sollte. Die Befunde gehen mit denen einer anderen Studie einher, die zeigen konnte, dass bei Shetlandponys, die häufig von Übergewicht betroffen sind, selbst ohne das Vorliegen strangulierender Läsionen deutlich erhöhte Laktat-Konzentrationen in der Peritonealflüssigkeit nachgewiesen werden können. Ursächlich werden beispielsweise Unterschiede in der Fettgewebsverteilung und im Leberstoffwechsel angenommen, die zu einer veränderten Laktat-Produktion und -Verstoffwechselung führen. Die Verwendung absoluter Cut-off-Werte für die Laktat-Konzentration im Rahmen von Kolik kann daher zu einer Überschätzung des Schweregrades der Erkrankung bei übergewichtigen Ponys und einer Unterschätzung bei schlanken Pferden führen.
Eine Untersuchung an gesunden Pferden zeigte hingegen keinen Einfluss des BCS auf die Laktat-Konzentration. Der Laktat-Stoffwechsel verändert sich jedoch im Rahmen gastrointestinaler Erkrankungen, was die unterschiedlichen Ergebnisse erklären kann. Neben Übergewicht kann auch eine genetische Prädisposition für bestimmte Stoffwechseleigenschaften bei Ponyrassen eine Rolle spielen. Zusammenfassend konnte in der Untersuchung gezeigt werden, dass sowohl Übergewicht als auch die Zugehörigkeit zu Ponyrassen eine Assoziation zu höheren Laktat-Konzentrationen bei Pferden mit Kolik aufweisen. Auch bei ähnlichem Schweregrad der Erkrankung zeigen Ponys höhere Laktatwerte als Pferde. Dies sollte berücksichtigt werden, wenn Entscheidungen hinsichtlich einer Operation oder Euthanasie zu treffen sind.
