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  • Autoren: ter Woort F, Dubois G, O'Connor S, van Erck-Westergren E (2026)
  • Journal: Journal of Veterinary Internal Medicine
  • Zusammenfassung: ng

Paroxysmales Vorhofflimmern (pAF) tritt beim Pferd sporadisch auf und wird mit Leistungsinsuffizienz in Verbindung gebracht. Die Diagnose stützte sich bislang vor allem auf EKGs nach der Belastung. Eine Mindestdauer für die Diagnose pAF ist in der Pferdemedizin bislang nicht festgelegt. Bei der Auswertung von Belastungs-EKGs fielen den Autoren sehr kurze, irregulär unregelmäßige Rhythmusstörungen mit normal konfigurierten QRS-Komplexen auf, die sie als pAF-ähnliche Episoden (pAF-like bursts) bezeichnen. Ziel war es, diese zu beschreiben und ihren unmittelbaren Einfluss auf Geschwindigkeit und nachfolgende Rennleistung zu bestimmen; zusätzlich wurden Daten zur Wiederberuhigung und zur Herzfrequenzvariabilität (HRV) erhoben.

In dieser retrospektiven Fall-Kontroll-Studie wurden Belastungs-EKGs von Vollblutrennpferden im Training ausgewertet, die mit einem validierten Fitness-Tracker für Pferde (Equimeter, Arioneo, Frankreich) aufgezeichnet und über zwei Jahre von Besitzern oder Trainern zur Analyse an eine Spezialpraxis übermittelt worden waren. Die Auswertung erfolgte mit der Software Kubios Premium mit manueller Korrektur aller RR-Intervalle. Als pAF-ähnliche Episode galt ein irregulärer Rhythmus aus mindestens 6 QRS-Komplexen mit normaler Morphologie, unabhängig von der Dauer. Kontrollen mit normalem Rhythmus während der Höchstbelastung stammten aus demselben Datensatz und wurden anhand der Maximalgeschwindigkeit angeglichen. Unter 100 ausgewerteten EKGs wurden 11 EKGs mit pAF-ähnlichen Episoden bei 10 Pferden sowie 10 Kontroll-EKGs identifiziert; ein Pferd hatte zwei EKGs mit Episoden im Abstand von 12 Tagen.

Die Episoden traten in allen EKGs während der maximalen Belastung auf, meist kurz nach deren Beginn (n = 7), seltener in der Mitte (n = 3) oder am Ende (n = 1). Sie dauerten etwa 10 bis 90 s und endeten stets vor Ende der maximalen Belastung; in Aufwärm- und Erholungsphase waren die EKGs normal. Die mittlere Herzfrequenz betrug im 30-s-Fenster vor der Episode 211 ± 7 Schläge pro Minute (bpm), während der Episode 237 ± 14 bpm (228-259 bpm) und danach 212 ± 9 bpm; bei den Kontrollen lag sie bei 215 ± 6 bpm. Die mittlere Maximalgeschwindigkeit betrug 62,4 ± 6,2 km/h (42-68 km/h) bei den Fällen und 60,3 ± 2,9 km/h bei den Kontrollen. Während der Episode wurden 5 Pferde langsamer, 3 beschleunigten, bei 3 blieb die Geschwindigkeit unverändert. Unmittelbar nach einer Episode wurden 5 Pferde langsamer, 4 blieben gleich schnell und 2 beschleunigten.

Die HRV-Parameter RMSSD (Quadratwurzel des Mittelwerts der quadrierten Differenzen aufeinanderfolgender Intervalle) und SDNN (Standardabweichung der normalen RR-Intervalle) waren über die gesamte Dauer der maximalen Belastung einschließlich der Episode bei allen betroffenen Pferden im Vergleich zu den Kontrollen und zu publizierten Referenzbereichen hoch, in 30-s-Fenstern vor oder nach der Episode dagegen normal. Nach der Diagnose einer pAF-ähnlichen Episode wurden Ruhe und eine weitere Abklärung empfohlen; Ergebnisse lagen für die Mehrzahl der Pferde allerdings nicht vor. Von 2 Pferden lagen Folge-EKGs nach 2 bis 4 Wochen Ruhe vor: Das Pferd mit 2 Wochen Ruhe zeigte erneut eine Episode, das Pferd mit 4 Wochen Ruhe ein normales EKG.

Die Rennleistung nach der Episode war für 8 von 10 Pferden verfügbar: 1 Pferd war erfolgreich (Platz unter den ersten 3 innerhalb von 3 Monaten), 4 wurden aus dem Rennsport genommen, 2 platzierten sich in den folgenden 3 Rennen im unteren Drittel und 1 Pferd kehrte nie in den Rennsport zurück. In der Kontrollgruppe (8 Pferde) waren 3 Pferde im Ruhestand, 1 Pferd schnitt schlecht ab und 4 waren erfolgreich. Ein signifikanter Unterschied in Bezug auf die Rennleistung bestand nicht.

Als Einschränkung der vorliegenden Studie nennen die Autoren, dass der verwendete Fitness-Tracker lediglich ein Einkanal-EKG generiert, das keine sichere Bestimmung des Ursprungs des unregelmäßigen Herzrhythmus erlaubt. Außerdem lassen die fehlenden Follow-up-Daten keine klaren Empfehlungen hinsichtlich Ruhe oder weiterführenden Untersuchungen zu. Zwei Autoren sind externe Berater und ein Autor ist Angestellter des Herstellers des verwendeten EKG-Systems (Arioneo). Die Autoren schlussfolgern aus den vorgestellten Ergebnissen, dass pAF-ähnliche Episoden bei maximaler Belastung auftreten und gegebenenfalls nur während der Höchstbelastung nachweisbar sein können. Damit könnten sie in einem EKG nach der Belastung übersehen werden. Die Episoden wurden in weiteren Belastungs-EKGs nicht durchgängig erfasst, was die Notwendigkeit wiederholter EKG-Aufzeichnungen bei hoher Geschwindigkeit, besonders bei Pferden mit Leistungsminderung, nahelegt.