Schlundverstopfung resultiert beim Pferd typischerweise aus einer Anschoppung von hastig aufgenommenem oder unzureichend zerkautem Futter oder Einstreumaterial, durch unzureichend vorgequollene Schnitzel oder durch Fremdkörper. Die Verstopfung findet sich zumeist zervikal oder auf Höhe der Brustapertur. Wiederholte Verstopfungen lassen an funktionelle oder strukturelle Schlunderkrankungen denken. Dabei kann es sich unter anderem um eine Ösophagus-Striktur, ein Ösophagus-Divertikel, gar um eine Ösophagus-Perforation, eine Ösophagus-Kompression oder um neuromuskuläre oder neoplastische Erkrankungen handeln. Endoskopische und kontrastradiografische Untersuchungen helfen bei der weiteren Abklärung. Der vorliegende Fall handelt von einer solchen diagnostischen Aufarbeitung und der nachfolgenden chirurgischen Behandlung.
Dabei handelte es sich um eine 400 kg schwere Saddlebred-Jährlingsstute, die im Alter von 6 Monaten von der Mutterstute abgesetzt worden war und innerhalb einer Woche wiederholt Schlundverstopfungen entwickelte. Anfangs ließ sich die Schlundpassage wiederholt ambulant durch Spülung über eine kleinkalibrige Nasenschlundsonde wiederherstellen, ohne dass man die Sonde bis in den Magen vorschieben konnte. Schließlich erfolgte eine stationäre Aufnahme bei reduziertem BCS von 2/9, im agitierten und schweißigen Zustand bei geringgradiger Dehydratation und mit beidseitig verkrusteten Nasenlöchern. Bei der Stehend-Endoskopie unter Sedation konnte das 13-mm-Gastroskop ohne Hindernis bis in den Magen eingeführt werden. Im Magen fanden sich im Bereich der Margo plicatus zahlreiche diffus verteilte tiefere chronische Ulzera der kutanen Schleimhaut (Grad 3/4) mit hyperkeratotischem Randsaum. Bei Retraktion des Endoskops in den Ösophagus stellte sich bei 85 cm eine ringförmige Verengung respektive Substenose mit einer prästenotischen speichelhaltigen Dilatation dar, fast so, als ob man auf den Pylorus schaute.
Die transkutane Ultraschalluntersuchung des zervikalen Ösophagus erbrachte keinen weiteren pathologischen Befund. Im Rahmen der transthorakalen Ultraschalluntersuchung zeigten sich kometenschweifartige Verdichtungen bis hin zu kleineren Konsolidierungen im Sinne einer geringgradigen Aspirationspneumonie. Bei der wiederholten Ösophagoskopie unmittelbar nach Futteraufnahme fand sich keinerlei Futteransammlung im Bereich der Substenose. Eine regelhafte Futteraufnahme und physiologisch große Faseranteile im Kot ließen Kaustörungen als möglichen Auslöser einer Schlundverstopfung ausschließen. Die neurologische Untersuchung blieb unauffällig. Dennoch wurde die Jährlingsstute empirisch mit Diclazuril (1 mg/kg per os 1x tgl.) gegen eine mögliche Equine Protozoen-Myeloenzephalitis anbehandelt und mit Omeprazol zur Therapie der Magenulzera und mit Ceftiofur wegen der Aspirationspneumonie entlassen.
Bis zur stationären Wiedervorstellung 4 Wochen später waren zwischenzeitlich vier weitere Schlundverstopfungen aufgetreten, die auf die genannte ambulante Art versorgt wurden. Nach stationärer Wiederaufnahme zeigten sich eine unveränderte ösophageale Substenose, eine Besserung der Magenulzera und der Aspirationspneumonie. Nun führte man eine Kontrastradiografie des Ösophagus unter Sedation mit Butorphanol und Detomidin durch. Nach Einlage eines Trachealtubus in den Ösophagus und Aufblasen des Tubusballons, um einen retrograden Kontrastmittelabfluss zu verhindern, wurden über einen durch das Lumen des Tubus eingebrachten männlichen Harnröhrenkatheter 700 ml Bariumsulfat 60 % plus 600 ml Luft mittels Spritze abgesetzt. Das Ösophagogramm zeigte eine hochgradige dorsoventrale Einengung der Kontrastsäule auf Höhe von Cv 7.
Ein erster Behandlungsversuch mittels Ballondilatation misslang, sodass man sich zu einem chirurgischen Eingriff entschloss. Die Jährlingsstute erhielt Gentamicin, Penicillin und Flunixin und wurde in Vollnarkose in Seitenlage abgelegt, um unter endoskopischer Kontrolle eine Ösophagussonde zur weiteren Orientierung bei der anschließenden chirurgischen Exploration in Rückenlage einzulegen. Der operative Zugang erfolgte über einen 15 cm langen ventrolateralen Hautschnitt paramedian links mit stumpfem Abschieben der Mm. sternothyrohyoideus und omohyoideus zur Freilegung des Ösophagus unter Schonung des dorsolateral verlaufenden N. laryngeus recurrens und der A. carotis. Dabei stieß man auf eine fibromuskuläre bandartige Struktur, die den Ösophagus zu einem Viertel seines Umfangs und auf einer Länge von 5–6 cm einschnürte. Über der Striktur wurde die Ösophagusmuskulatur unter Schonung der Submukosa 8 cm längs eingeschnitten, ein 2 x 4 cm großes fibrotisches Muskelareal reseziert und die äußeren Ösophaguslagen im Bereich der Striktur mobilisiert.
Während Muskularis und Adventitia unvernäht blieben, wurden Unterhaut und Haut nach Einlage einer Penrose-Drainage fortlaufend vernäht. Die Wundnaht wurde mit einer aufgenähten Gazerolle geschützt. Im postoperativen Ösophagogramm einen Tag nach dem Eingriff zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Abflussverhältnisse. Die Jährlingsstute bekam Gentamicin, Penicillin und Flunixin für weitere 3 Tage. Sie wurde mit eingeweichten Pellets und 48 Stunden nach der Operation mit klein gehäckseltem Heu angefüttert. Drainage und Gazerolle wurden nach Entlassung zeitgerecht entfernt und Omeprazol 2 Wochen nach Entlassung abgesetzt. In der pathohistologischen Untersuchung des Resektats fanden sich degenerierte glatte und quergestreifte Muskelzellen, offensichtlich aus dem Ösophagusbereich, wo quergestreifte in glatte Muskulatur übergeht, insgesamt vereinbar mit einem vorausgegangenen stumpfen Trauma. Bis 2,5 Jahre nach Entlassung trat keine weitere Schlundverstopfung auf. Diätetisch bestanden keine weiteren Einschränkungen. Der BCS hatte sich normalisiert. Beim Schlucken war bereits seit Entfernung des Hautnahtmaterials eine Gewebsausstülpung im Bereich des Operationsfeldes zu beobachten, was abschließend als Schönheitsfehler eingeordnet wurde.
Ösophagusstrikturen treten bei Pferden selten auf. Ursächlich kommen iatrogene Schleimhautverletzungen durch die Nasenschlundsonde, die Aufnahme lokal reizender Substanzen, externes Trauma, kongenitale Veränderungen oder postoperative Komplikationen in Betracht. Als wahrscheinlichste Ursache in diesem Fall sehen die Autoren ein äußeres Trauma an; eine angeborene Störung halten sie angesichts des Erkrankungsalters für unwahrscheinlich. Den Behandlungserfolg führen sie darauf zurück, dass die Einengung von außen kam und das Ösophaguslumen bei der Myotomie nicht eröffnet werden musste. Da an der Myotomiestelle langfristig ein Divertikel oder eine Ruptur entstehen könnte, empfehlen sie eine fortlaufende Kontrolle.
